Neudefinition der Elektronikfertigung Der Einfluss des hochpräzisen 3D-Drucks vom Prototyp bis zur Produktion

Ein Gastbeitrag von Jake Collins* 5 min Lesedauer

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Elektronikgeräte werden kleiner, kompakter und anspruchsvoller. 3D-Druck bietet eine praktikable Alternative zu klassischen Fertigungsprozessen. Jake Collins von Boston Micro Fabrication zeigt, welche Vorteile hochpräziser 3D-Druck für Entwicklung und Produktion elektronischer Komponenten bietet und worauf Unternehmen achten sollten.

Während das Mikrospritzgießen bei kritischen Bauteilen 10 bis 12 Wochen dauert, bietet der 3D-Druck eine schnellere Fertigung und größere Flexibilität bei Designiterationen, so Collins.(Bild:  Boston Micro Fabrication)
Während das Mikrospritzgießen bei kritischen Bauteilen 10 bis 12 Wochen dauert, bietet der 3D-Druck eine schnellere Fertigung und größere Flexibilität bei Designiterationen, so Collins.
(Bild: Boston Micro Fabrication)

Von Steckverbindern und Sensoren bis hin zu fortschrittlichen Verpackungselementen – der Bedarf an hochpräzisen, miniaturisierten Komponenten steigt, da elektronische Geräte immer kompakter und komplexer werden. Die fortschreitende Miniaturisierung, die steigende Komponentendichte sowie höhere Datenübertragungsgeschwindigkeiten, die zusätzliche Wärme erzeugen, gehören zu den größten Herausforderungen, denen sich Elektronikentwickler heute gegenübersehen.

Traditionelle Fertigungsmethoden haben jedoch Schwierigkeiten, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, was zu langen Vorlaufzeiten, hohen Kosten und eingeschränkter Designflexibilität führt. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, wenden sich viele Elektronikhersteller zunehmend dem 3D-Druck zu, der eine agilere und kostengünstigere Lösung bietet. Insbesondere mikroskalige 3D-Druckverfahren, darunter die Projektionsmikrostereolithografie (PµSL), entwickeln sich zur bevorzugten Technologie, da sie die erforderliche Präzision und Designfreiheit bieten, um mit der schnellen Produktentwicklung Schritt zu halten.

Wie der 3D-Druck die Prototypenentwicklung beschleunigt

Während Verfahren wie das Mikrospritzgießen für kritische Komponenten Vorlaufzeiten von zehn bis zwölf Wochen erfordern können, umgeht der 3D-Druck typische Produktengpässe und ermöglicht kürzere Produktionszeiten sowie mehr Flexibilität bei Designiterationen. Diese Fähigkeit, den Prozess vom Entwurf bis zur Produktion zu beschleunigen, gehört zu den größten Vorteilen des mikropräzisen 3D-Drucks. Im Gegensatz zu herkömmlichen Verfahren, die Formen und Werkzeuge erfordern, ermöglicht der 3D-Druck schnelle Iterationen, sodass Hersteller ihre Entwürfe ohne kostspielige Verzögerungen zügig verfeinern können.

Ein anschauliches Beispiel dafür ist ein Projekt, das mein Unternehmen mit dem Hersteller von Hochleistungs-Elektroverbindern Hirose Electronics durchgeführt hat. Da das Unternehmen schnell Prototypen von Schaltungsverbindern für seine Produkte der nächsten Generation benötigte, sah es sich mit den üblichen Herausforderungen konfrontiert, darunter lange Vorlaufzeiten, hohe Werkzeugkosten und eine begrenzte Designflexibilität. Der Einsatz des herkömmlichen Mikro-Spritzgussverfahrens hätte den Innovationsprozess verlangsamt, weshalb man sich für den 3D-Druck entschied.

Auf diese Weise konnte Hirose seine Steckverbinderdesigns schnell iterieren, mehrere Versionen testen und Prototypen in Produktionsqualität deutlich schneller als zuvor herstellen. Die Flexibilität des 3D-Drucks ermöglichte es dem Unternehmen, Designänderungen kurzfristig vorzunehmen – ohne die mit einer Umrüstung verbundenen kostspieligen Verzögerungen. Dadurch konnte das Team die Prototypenentwicklungszeit erheblich verkürzen und einen schnelleren sowie effizienteren Weg zur Validierung schaffen, während gleichzeitig Kosten und Vorlaufzeiten reduziert wurden.

Vorteile aus dem strukturierten Vorgehen ziehen

Der Mikro-3D-Druck ermöglicht die Herstellung hochpräziser Land-Grid-Arrays, die in der Elektronik zur Herstellung mechanischer und elektrischer Verbindungen verwendet werden.(Bild:  Boston Micro Fabrication)
Der Mikro-3D-Druck ermöglicht die Herstellung hochpräziser Land-Grid-Arrays, die in der Elektronik zur Herstellung mechanischer und elektrischer Verbindungen verwendet werden.
(Bild: Boston Micro Fabrication)

Wenn Sie als Hersteller den 3D-Druck in Ihre Betriebsabläufe integrieren möchten, empfehle ich grundsätzlich einen strukturierten Ansatz, um sicherzustellen, dass Sie die Vorteile optimal nutzen.

Beginnen Sie damit, die Teile Ihres Produkts zu identifizieren, die mehrere Designiterationen erfordern oder Ihren aktuellen Prozess verlangsamen. Bewerten Sie anschließend Ihre Designanforderungen und prüfen Sie die Präzisionstoleranzen sowie Materialanforderungen – hochpräziser 3D-Druck eignet sich besonders für kleine, komplexe Teile. Zudem empfehle ich, vor der Umstellung auf die Serienproduktion ein Musterteil bei einem 3D-Druckanbieter anzufordern, um zu sehen, wie sich der Prototypenbau damit beschleunigen lässt.

Sobald Ihr Prototyp fertiggestellt ist, gestaltet sich der Übergang zur Produktion unkompliziert. Die gleiche Flexibilität und Genauigkeit, die den 3D-Druck ideal für den Prototypenbau machen, bieten auch in der Serienproduktion weiterhin Vorteile.

Skalierung ohne Qualitätseinbußen

Natürlich ist es wichtig sicherzustellen, dass die beim Prototyping verwendeten Materialien auch den Anforderungen der Produktion gerecht werden. Prüfen Sie daher, ob sie die erforderlichen Standards für Haltbarkeit und Leistung im Langzeitgebrauch erfüllen und ob sie den notwendigen Anforderungen an Wärme- oder mechanische Beständigkeit entsprechen.

Führen Sie außerdem kleine Serien durch, um sicherzustellen, dass Ihr Drucker über mehrere Einheiten hinweg konsistent hochwertige Ergebnisse liefern kann. Konsistenz in Bezug auf Präzision, Toleranzen und Oberflächenbeschaffenheit ist bei der Skalierung von entscheidender Bedeutung.

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Um die Produktionseffizienz zu maximieren, sollten Sie Ihre Prozesse standardisieren und die Druckereinstellungen optimieren. Konzentrieren Sie sich dabei auf Designs, die sich in der frühen Produktionsphase noch ändern können oder bei denen der 3D-Druck gegenüber herkömmlichen Verfahren Kostenvorteile bietet.

Überwachen Sie schließlich kontinuierlich Ihre Produktionsabläufe und suchen Sie nach Möglichkeiten zur Verbesserung, beispielsweise indem Sie Daten aus ersten Produktionsläufen zur Feinabstimmung Ihres Prozesses nutzen.

Erste Schritte mit dem 3D-Druck

Jake Collins ist Senior Applications Engineer bei Boston Micro Fabrication.(Bild:  Boston Micro Fabrication)
Jake Collins ist Senior Applications Engineer bei Boston Micro Fabrication.
(Bild: Boston Micro Fabrication)

Durch die Integration von 3D-Druck lässt sich die Prototypenentwicklungszeit tatsächlich um 60 bis 90 Prozent verkürzen, während die Kosten, je nach Komplexität und Umfang Ihres Projekts, um 50 bis 70 Prozent gesenkt werden können. Zudem gilt die Technologie allgemein als besonders geeignet für Bauteile mit sich weiterentwickelnden Designs, bei denen sie im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren häufig günstigere Stückkosten ermöglicht.

Für den Einstieg empfiehlt es sich, ein Pilotprojekt auszuwählen. Identifizieren Sie eine Komponente, die von schnelleren Designiterationen profitieren kann – beispielsweise Steckverbinder, Sensoren oder andere kleine, komplexe Bauteile –, bei denen herkömmliche Fertigungsmethoden zu Verzögerungen führen.

Was die 3D-Drucktechnologie selbst betrifft, ist es wichtig, die verschiedenen Optionen anhand Ihrer spezifischen Anforderungen sorgfältig zu evaluieren. Kann der Drucker angesichts der für die Elektronikfertigung typischen Teilegröße und Komplexität die für Ihre Anwendung erforderlichen detaillierten, kleinteiligen Strukturen herstellen? Und bietet die Technologie die feinen Details, die für eine zuverlässige Leistung elektronischer Komponenten erforderlich sind?

Sobald die Technologie eingeführt ist, sollten Sie den Übergang sorgfältig planen und einen klaren Zeitrahmen für den Wechsel vom Prototypenbau zur Produktion festlegen. Wie bereits erwähnt, macht die Flexibilität des hochpräzisen 3D-Drucks eine Umrüstung überflüssig und ermöglicht einen reibungslosen Übergang zur Serienproduktion.

Der mikroskalige 3D-Druck kann mit der fortschreitenden Miniaturisierung der Elektronik und steigenden funktionalen Anforderungen zu einem Katalysator für die nächste Innovationswelle werden. Die Fähigkeit, komplexe Geometrien im Mikrometerbereich zu erstellen, definiert neu, was Entwickler mit einer stetig wachsenden Zahl von Komponenten erreichen können. Da sich die Branche zunehmend integrierten, kompakteren und anwendungsspezifischeren Designs zuwendet, wird hochpräziser 3D-Druck weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Er ermöglicht Durchbrüche, die zuvor unerreichbar waren, und treibt eine Zukunft voran, in der Innovationen nur noch durch die Vorstellungskraft und nicht mehr durch Fertigungsbeschränkungen begrenzt ist. (sb)

Event-Tipp

Das Managementtreffen für die EMS-Branche

Der EMS-Tag gilt als eines der wichtigsten Managementtreffen der Branche, bei dem aktuelle Veränderungen, erfolgversprechende Strategien, generelle Managementfragen und wichtige technologische Entwicklungen in der Elektronikwelt analysiert und diskutiert werden. Das Programm bietet praxisorientierte Vorträge und interessante Einblicke in den EMS-Markt.

* Jake Collins ist Senior Applications Engineer bei Boston Micro Fabrication, einem weltweit führenden Anbieter von mikropräzisem 3D-Druck, der fortschrittliche Fertigungslösungen für Anwendungen entwickelt, die eine Auflösung, Genauigkeit und Präzision im Mikrometerbereich erfordern.

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