Bluetooth, ZigBee & Co

Das Risiko einer falschen Technologieauswahl beim Aufbau der Wireless-Kommunikation minimieren

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Für den Serieneinsatz nicht geeignet

Ein Aspekt der ZigBee sichtbar geschadet hat, ist die sehr marketingorientierte Arbeitsweise der Industrieallianz. Unter dem Druck, als Sieger in der Standardisierung zu erscheinen, wurden und werden Lösungen bereits als fertig und marktreif präsentiert, die noch erhebliche Nachteile haben und sich nicht für einen Serieneinsatz im Feld in großen Stückzahlen tatsächlich eignen. Darüber hinaus werden Lösungen, die bestenfalls Prototypencharakter haben, als Beweis für die Führungsrolle von ZigBee angeführt. Dies war 2005 deutlich im Bereich der Telekommunikationsindustrie sichtbar. Die dort gezeigte Lösung einer ZigBee-basierenden SIM-Karte für Mobiltelefone und dazugehörigen Applikationen sind allerdings bis heute nicht im Markt zu finden.

Heute wird ZigBee vor allem stark als Technologie für Smart Energy diskutiert. Ein Projekt mit einem Energieversorger in Göteborg wurde als Gewinn des Marktes durch ZigBee präsentiert. Zweifellos erfolgreich ist die ZigBee-Allianz in der Arbeit mit US-Energieversorgern und Zählerherstellern. Hierbei wurden Applikationsprofile entwickelt und ZigBee ist in entsprechende Projekte involviert. Allerdings ist noch nicht klar, welche Technologie tatsächlich eingesetzt wird. In der IEEE802.15.4 hat sich die neue Arbeitsgruppe TG4g formiert, die bis Ende 2011 eine Variante des 15.4-Standards für Smart-metering Utility Networks (SUN) erarbeiten möchte und in der praktisch alle Halbleiterhersteller mit 15.4-Lösungen aktiv sind. Wesentliches Thema in der Arbeit ist die Koexistenz bei Interferenz im 2,4-GHz-Band. Wenn für SUN-Lösungen eine neue Variante des Standards benötigt wird, wie können dann aber Projekte wie Göteborg überhaupt durchgeführt werden?

Eine Alternative zu ZigBee

Und tatsächlich ist es seit der ursprünglichen Ankündigung im Jahr 2007 um das Projekt in Göteborg etwas still geworden. Es gibt aber auch noch weitere, wichtige Bewegungen in der Standardisierung neben ZigBee. Seit 2005 wird in der IETF, d.h. dem Standardisierungsgremium der TCP/IP-Protokolle, an einer Initiative namens 6lowPAN gearbeitet. Hervorgegangen ist diese Initiative aus Arbeiten vor allem von Invensys, dies in Zusammenarbeit mit Danfoss und von Intel. Ziel ist der direkte Einsatz von TCP/IP Version 6, dem so genannten IPv6, über das in 15.4 spezifizierte Radio. Dies wäre eine klare, standardbasierende Alternative zu ZigBee. Auch in der US-Energiewirtschaft wird intensiv an 6lowPAn und IPv6 gearbeitet.

Bild 3: Der Sensor ESA 1000 WZ nutzt die Funk-Sendefrequenz 868,35 MHz zur kontaktlosen Datenübermittlung (Archiv: Vogel Business Media)

Eine aktive Bestrebung ist es, die mit ZigBee definierten Applikationsprotokolle direkt auf IPv6 einzusetzen. Auf ZigBee hat diese Bewegung durchaus Einfluss: Nachdem in 2003 TCP/IP als Basis für das ZigBee-Netzwerkprotokoll abgelehnt wurde und diese Ablehnung auch in 2005 und 2006 trotz Bemühungen großer OEMs aufrecht erhalten wurde, wird IPv6 jetzt als alternative Netzwerktechnik auch in ZigBee diskutiert.

In der Zwischenzeit haben sich aber auch andere Industriegruppen zum Thema IPv6 formiert. IPSO ist hier sicherlich am wichtigsten und hat sichtbare Unterstützung von Industriegrößen wie Cisco. In Deutschland hat sich die IP500-Gruppe mit ähnlichen Zielen formiert, ist bezüglich Mitgliederschaft allerdings viel schwächer und wird sich kaum gegen Bewegungen wie IPSO behaupten können.

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