Kurze Geschichte der Telegraphie Das Ende des Telegramms – aber nicht des Morsecodes

Am 31. Dezember 2022 war der letzte Tag, um ein Telegramm mit der Deutschen Post zu verschicken. Das erste Telegramm verschickte Samuel Morse im Jahr 1844. Doch der Morsecode lebt auch heute noch weiter.

Mit dem von Samuel Morse entwickelten Apparat lassen sich Nachrichten über eine große Distanz elektrisch übertragen. Das erste Telegramm übermittelte Morse im Jahr 1844.
Mit dem von Samuel Morse entwickelten Apparat lassen sich Nachrichten über eine große Distanz elektrisch übertragen. Das erste Telegramm übermittelte Morse im Jahr 1844.
(Bild: (c) Anneke - stock.adobe.com)

Zum Jahreswechsel 2023 verschwand etwas, das im digitalen Zeitalter schon niemand mehr vermisst hat: das Telegramm. Im Vergleich zur allgegenwärtigen E-Mail ließen sich bei einem Telegramm zwischen 160 bis 480 Zeichen verschicken. Das Angebot kam von der Deutschen Post.

Ein Telegramm war teuer: 160 Zeichen kosteten etwa 13 Euro und bis zu 480 Zeichen schlugen mit 18 Euro zu Buche. Es gab sogar einen Aufpreis und man konnte bis 1.280 Zeichen verschicken. Die Post garantierte eine Zustellung am folgenden Tag.

Das erste Telegramm verschickte Samuel Morse 1844

Die Geschichte des Telegramms geht auf Samuel Morse zurück: Am 24. Mai 1844 verschickte er das erste Telegramm. Mehr als 60 km wurden die Worte mit einem Telegrafen von Washington nach Baltimore übertragen. Schließlich hat Samuel Morse im Jahre 1849 seine gesamte Technik patentieren lassen.

Der von Morse entwickelte Apparat basiert auf einen Stromkreis zwischen zwei Stationen. Im Rhythmus einer Taste auf der Senderseite wird dieser geöffnet und geschlossen. Beim Empfänger überträgt ein an einem Elektromagnet befestigter Hebel die Signale mit einem Stift auf einem Papierstreifen.

Doch Morse war nicht der erste Erfinder der drahtgebundenen Kommunikation: Bereits 1833 konstruierten die Göttinger Wissenschaftler Carl Friedrich Gauß und Wilhelm Weber einen elektromagnetischen Telegraphen.

Anfangs nur Zahlen übertragen

Ursprünglich konnte Morse mit seinem entwickelten System nur Zahlen übertragen. Sie mussten gemäß einem Wörterbuch umständlich in Worte umgewandelt werden. Doch damit konnte man nur langsam und vor allem viel zu aufwendig Nachrichten übertragen. Seinem Assistenten Alfred Vail was das zu kompliziert.

Er erdachte sich ein Zeichensystem für Buchstaben statt Zahlen. Zusammengesetzt aus Kurz-Lang-Impulsen. Einfache Kombinationen wählte er für häufige Buchstaben, schwierige Kombinationen für seltenere Buchstaben. So wurde für den Morsecode jeder Buchstabe des Alphabets in kurze und lange Impulse übersetzt. Diese Impulse werden auch als Punkte und Striche bezeichnet.

Die Basis des Nachrichtenwesens

Doch das System war für den Ingenieur Friedrich Clemens Gerke immer noch zu kompliziert. So erdachte er sich eine eigene Variante des Vail-Alphabets aus. Hier waren auch die Umlaute Ä, Ö und Ü dabei. Jetzt mit einheitlich langen Strichen und einheitlich langen Pausen. Als Basis des Nachrichtenwesens wurde das Vail-Gerke-Alphabet schließlich am 17. Mai 1865 vom Internationalen Telegraphenverein festgelegt.

Der Siegeszug der Telegraphie war nicht mehr aufzuhalten. Bereits zehn Jahre nach dem ersten Telegramm durchzogen die USA bereits 37.000 km Telegraphenleitungen. Mit der drahtgebundenen Telegraphie entwickelte sich die Eisenbahn. So nutzen die Eisenbahnunternehmen die Telegraphie, um zwischen den Bahnhöfen zu kommunizieren.

Das Ende der Morseübertragung?

Die Entwicklung blieb mit den Morsecode übertragenen Zeichen nicht stehen. Es folgten Telefon, Sprechfunk und schließlich die E-Mail. Am längsten hielt sich der Morsecode in der Seefahrt: Erst Anfang 1999 gibt es das GMDSS, ein weltweites Notfall-Sicherheitssystem der Seefahrt. Es basiert auf Radar- und Satellitenortung. Der letzte kommerzielle Morse-Sender der USA beendete seine Übertragung am 12. Juli 1999. Die Treue zum Morsecode halten heute noch weltweit die Amateur-Funker.

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