Von wichtiger US-Technologie abgeschnitten, entwickelt China seine eigenen Chiplet-Standards. Ende März ist der rein chinesische „Chiplet Interconnect Interface Standard – ACC 1.0“ veröffentlicht worden, der beim Aufbau eines Ökosystems von Herstellern helfen soll.
China fürchtet, die Standards der „Universal Chiplet Interconnect Express“-Allianz (UCIe) großer Hersteller nicht nutzen zu dürfen – und entwickelt deswegen seit 2020 den eigenen Chiplet-Standard „Chiplet Interconnect Interface Standard“. Die UCIe-Allianz hingegen setzt auf Intels offenen Advanced Interface Bus (AIB) Standard. Über die definierten Schnittstellen sollen sich die einzelnen Chiplets eines System-on-Package verbinden lassen.
(Bild: Intel Corporation)
Produzenten entlang der gesamten Lieferkette, von IC-Substrat-Lieferanten über Unternehmen in den Bereichen Packaging und Testing bis hin zur Chip Assembly haben sich in China zusammengetan, um die Aufholjagd der chinesischen Halbleiterindustrie in diesem Marktsegment zu beschleunigen. Zu diesem Zweck hatten chinesische Unternehmen im September 2020 eigens die „China Chiplet League“ gegründet, also kurz nach den ersten US-Export-Boykotten gegen Chinas größten Chip-Produzenten SMIC.
Nicht nur in China, sondern weltweit gewinnen Chiplets enorm an Bedeutung, weil das Moore´sche Gesetz allmählich immer mehr an seine Grenzen stößt und die Produktion von immer kleineren, immer leistungsstärkeren Chips auf einem einzelnen Wafer im Nanometer-Bereich immer schwieriger und teurer wird.
Bei Chiplets werden mehrere Chipmodule mittels „Die-to-die“-Verbindungen zu einer leistungsstarken Einheit kombiniert, was die Komplexität des Designs und die Produktionskosten deutlich verringert. Die gesamte Halbleiterindustrie entdeckt daher gerade ihre Leidenschaft für Chiplets.
UCIe-Allianz ist kritisch für chinesische Hersteller
Außerhalb Chinas haben sich Hersteller wie AMD, ASE, Intel, Microsoft, Samsung, Qualcomm und TSMC zu einer Allianz namens „Universal Chiplet Interconnect Express“ (UCIe) zusammengeschlossen, die an Standards arbeitet, die das reibungslose Zusammenführen der verschiedenen Komponenten ermöglichen soll.
Allerdings ist UCIe für chinesische Produzenten wegen des auch „Chip War“ genannten Handels- und Technologiekonflikts mit den USA nicht mehr ausreichend. Sie wissen ja gar nicht, welche US-Komponenten sie in einigem Monaten noch werden importieren können, weil Washington seine Boykotte seit Jahren schrittweise immer weiter ausweitet.
Westliche Standards in einigen Bereichen nicht mehr sinnvoll
Wo chinesische Foundries wie die „Semiconductor Manufacturing International Corporation“ (SMIC) oder Hua Hong aufgrund der US-Boykotte notgedrungen mit älteren Technologien arbeiten müssen, machen auch die aktuellsten Standards aus dem Westen keinen Sinn mehr.
Daher – und auch mit Blick auf eine künftige Unabhängigkeit der eigenen Halbleiterindustrie vom Westen – arbeitet man in China nun mit Hochdruck an eigenen Chiplet-Standards. Gerade wegen ihrer relativ gesehen geringeren Komplexität gelten die Kombi-Chips in der Volksrepublik als vielversprechende technologische Route, die Politik des technologischen Containments der USA zu unterwandern.
Bislang hat China auch bei Chiplets noch erheblichen Aufholbedarf
Während China auch bei Chiplets momentan noch „Catch up“ spielt, technisch dem Westen eigenen Aussagen zufolge also noch unterlegen ist, wird es Industriebeobachtern zufolge wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis ausländische Chiplet-Hersteller in China nicht mehr gebraucht werden.
Sehr organisiert und zielstrebig geht man in China bei diesem Versuch vor. Angeleitet vom Industrieministerium MIIT in Peking hat die „China Computer Interconnection Technology Alliance“ (CCITA) schon 2021 das Projekt „Technical Requirements for Chiplet Interface Bus“ begonnen. Im März 2022 ist dann ein entsprechender Standard veröffentlicht worden.
Erster technische Standard jetzt verfügbar
Im Februar dieses Jahres ist dann dieser erste technische Standard der chinesischen Chiplet-Industrie mit dem Titel „Chiplet Interface Bus Technical Requirements (T/CESA 1248-2023) offiziell implementiert worden. Der neue ACC 1.0-Standard ist ein logischer Folgeschritt: ein unabhängiger, chinesischer Hochgeschwindigkeits-Serial-Port-Standard für Chiplets.
Event-Tipp: FPGA Conference Europe
Guidance to Accelerate your Programmable Solution
Einsatzgebiete für programmierbare Logikschaltung sind so vielfältig wie die verfügbaren Lösungen, mit denen sie sich entwickeln lassen. Ob FPGA, GPU oder Adaptive-Computing-SoC: Jede Technologie hat ihre Berechtigung – ist aber auch erklärungsbedürftig.
Die FPGA Conference Europe - als europaweit wichtigste Plattform für hersteller- und technologieunabhängigen und applikationsübergreifenden Austausch zwischen Experten und Entwicklern - gibt Embedded-Entwicklern Orientierung und praktische Hilfestellungen.
Davon werden führende chinesische Hersteller im Chiplet-Bereich wie Huawei HiSilicon, Tongfu Microelectronics, Huatian Technology oder Tongling Trinity Technology stark profitieren. Für die Geschäftsinteressen ausländischer Chiplet-Produzenten in China sind die neuen China-spezifischen Standards dagegen ein Rückschlag.
Rückschlag für ausländische Chiplet-Produzenten
Das ist bedenklich für besagte ausländische Produzenten, weil das größte Wachstum des gerade aufblühenden, globalen Chiplet-Marktes in China erwartet wird. Schon bis 2024 könnte Prognosen des Marktforschungs-Instituts Omdia ein neunfaches Wachstum des Marktes auf der Basis der Daten von 2018 – auf 5,8 Milliarden US-Dollar – erreicht werden. Bis 2035 könnte der globale Chiplet-Markt dann sogar ein Volumen von 57 Milliarden US-Dollar haben, schätzt Omdia. Das wäre dann erneut eine Verzehnfachung der Umsätze auf der Basis der Zahlen von 2024.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Sollte China weiterhin gute Fortschritte mit der Standardisierung seiner jungen Chiplet-Industrie machen, könnte wohl ein großer Teil dieses globalen Wachstums ohne US-amerikanische und westliche Produzenten stattfinden. (me)
* Henrik Bork ist Managing Director und Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den asiatischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen mit Sitz in Peking.