Der Technologiekonzern und weltweit größte Autozulieferer Bosch hat einen neuen Chef – und rückt Software sowie vernetzte und „intelligente“ Produkte und Lösungen in den Fokus.
Künstliche Intelligenz und Vernetzung spielen in Zukunft auch in den Produktionsstätten dieser Welt eine immer größere Rolle.
(Bild: Bosch)
Unter seinem neuen Chef Stefan Hartung richtet sich der Technologiekonzern Bosch verstärkt auf vernetzbare Anwendungen und Lösungen mit Künstlicher Intelligenz (KI) aus. Bis 2025 will das Unternehmen seine gesamte Produktpalette mit künstlicher Intelligenz ausstatten. Das kündigte Digitalchefin Tanja Rückert in einer Online-Pressekonferenz an.
Als konkretes Beispiel für den Einsatz von KI verwies sie auf das Bosch-Sensorsystem SoundSee, das seit Ende 2019 im Weltall unterwegs ist, um in der Raumstation ISS ungewöhnliche Geräusche herauszufiltern und daraus Predictive-Maintenance-Maßnahmen abzuleiten. Mithilfe von KI-Algorithmen werden die Signale analysiert, um herauszufinden, wann eine Wartung erforderlich ist.
Die KI-gestützte Geräusch-Analyse soll künftig auch als Diagnosewerkzeug in der Kindermedizin genutzt werden. Die Sensoren und Algorithmen sollen so angepasst werden, dass sie Lungenkrankheiten wie Asthma schon in jungen Jahren erkennen können, indem sie Atemmuster abhören und auswerten. „Mit innovativer Technik die Gesundheit von Kindern verbessern – das verstehen wir unter Hightech“, sagte Mike Mansuetti, Präsident von Bosch in Nordamerika.
Bosch: Ab 2022 alle Produktklassen vernetzbar
Darüber hinaus setze Bosch auf die Kombination von KI und dem Internet of Things (IoT), sagte Rückert. Das Fundament dafür habe der Konzern bereits gelegt: Mit Start des Jahres 2022 seien alle elektronischen Produktklassen von Bosch vernetzbar. So verzeichne etwa das Geschäft mit Geräten für das smartes Zuhause ein starkes Wachstum. „Allein der Absatz mit vernetzbaren Elektrowerkzeugen, Hausgeräten und Heizungen hat sich binnen eines Jahres um die Hälfte gesteigert – von vier Millionen im Jahr 2020 auf mehr als sechs Millionen Stück 2021“, sagte Rückert.
Bosch digitalisiere sein Kerngeschäft mit dem Ziel, den Kundennutzen zu erhöhen. Die Erkenntnisse aus der Analyse der Daten und die Vernetzung sollen dazu beitragen, die Produkte kontinuierlich zu verbessern. So könne etwa die Leistungsfähigkeit von E-Bikes mit Bosch-Technik durch Updates via Mobilfunk (Over The Air, OTA) auch nach dem Verkauf verbessert werden.
Bosch verspricht sich von der Strategie auch eine weitere Verbesserung der wirtschaftlichen Ergebnisse. „Künftig wollen wir aus jedem Umsatz mit digitalen Produkten auch einen Serviceumsatz ableiten“, sagte Rückert. Um das Ziel zu erreichen, setzt Bosch auf die Verbindung von IoT mit KI – verknüpft also das Internet der Dinge (IoT) mit Künstlicher Intelligenz.
Mit dem Bosch Center for Artificial Intelligence (BCAI) habe das Unternehmen im Bereich der KI an sieben Standorten eine starke Einheit aufgebaut, die bereits einen positiven Ergebnisbeitrag von rund 300 Millionen Euro leiste.
Künftig entwickelt und vertreibt das Unternehmen unter dem Dach der ETAS GmbH übergreifend einsetzbare Fahrzeug-Basissoftware, Middleware, Cloud-Services und Entwicklungswerkzeuge. Auch das vernetzte und automatisierte Fahren treibt Bosch mit großer Geschwindigkeit voran. Allein mit Fahrerassistenzsystemen und der dazugehörigen Sensorik hat das Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren rund neun Milliarden Euro umgesetzt.
Neuer Gesamtchef der Bosch Gruppe seit Anfang des Jahres
Zum Jahreswechsel übernahm Stefan Hartung die Spitzenposten bei dem Technologiekonzern und weltgrößten Autozulieferer. In der 135 Jahre alten Historie von Bosch ist Hartung erst der siebte Chef. Zuvor leitete der 55-Jährige die wichtige Autosparte des Konzerns.
Er folgt auf Volkmar Denner. Ungewöhnlich: Der 65-jährige Denner ist nicht an die Spitze des Aufsichtsrates gerückt, dessen bisheriger Chef Franz Fehrenbach ebenfalls zum Jahresende 2021 aufgehört hat. Neuer Aufsichtsratchef ist der bisherige Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer.
Hartung rückt in einer Zeit an die Spitze des Konzerns, in der die Autoindustrie enorme Veränderungen erlebt. Die Bedeutung der Software wird immer wichtiger. Darauf hat sich Bosch in den letzten Jahren konsequent ausgerichtet.
Stand: 08.12.2025
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Der gebürtige Dortmunder Hartung hat in Aachen Maschinenbau studiert, bei Fraunhofer und McKinsey gearbeitet und ist schon seit 2013 in der Bosch-Geschäftsführung. Seit 2019 leitete er die Autosparte, die mehr als die Hälfte zum Konzernumsatz von 72 Milliarden beiträgt.