Bitcoin, Blockchain: Was ist Hype, was bleibt?

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Wem nutzt die Blockchain wirklich?

Wenn ich mich nun doch ein wenig an die Prophetie heranwage, um eine Antwort auf die Frage nach der Unterscheidung zwischen bloßem Hype und echtem disruptiven Potenzial der Blockchain zu geben, dann äußere ich mich erst einmal wie Radio Eriwan: Im Prinzip hat die Distributed Ledger-Technologie das Potenzial, die Finanzmärkte ähnlich grundlegend zu verändern, wie es das Internet getan hat. Einiges von dem, was wir jetzt am Markt sehen, wird verschwinden, andere Anwendungen haben das Potenzial, sich langfristig durchzusetzen. Das Thema Stromverbrauch und andere ökologische Aspekte klammere ich dabei aus. Trotzdem sind auch dies Herausforderungen, die ernsthaft zu diskutieren und zu lösen sind.

Als janusköpfiges Gebilde, irgendwo zwischen Hype und Erfolgsmodell, sehe ich die Smart Contracts, bei denen automatische Codes überwachen, dass bestimmte Vereinbarungen eingehalten werden. Nun haben Smart Contracts allerdings einige eklatante Schwächen, die sie unter anderem anfällig für Cyberattacken machen. Derartige Gefahren lauern heutzutage überall in der virtuellen Welt.

Bei Smart Contracts zielen die Attacken auf die Technologie ab, die dahinter steht – eben auf die Blockchain. Als Achillesferse haben sich in der Vergangenheit die Programmcodes erwiesen. So auch beim Angriff auf die Ethereum-Blockchain 2016. Nachdem ein Hacker einen Fehler im Programmcode des Smart Contracts erkannt hatte, gelang es ihm, beinahe 50 Millionen US-Dollar zu erbeuten. Außerdem können die Codes nicht geändert werden, was die smartness dieser Kontrakte doch erheblich einschränkt.

Dem aus dem Zivilrecht bekannten Prinzip, Verträge einer wertenden Betrachtung zu unterziehen, werden Smart Contracts nicht gerecht. Eine Auslegung nach dem intendierten Sinn und Zweck einer Regelung kann im Nachhinein ebenfalls nicht automatisch vorgenommen werden. Smart Contracts sind damit in etwa so smart wie eine Djuke Box aus den 70er Jahren, aus der nach Einwurf einer Münze ein fest vorgegebenes Lied erklang. Die Verträge aus der analogen Welt sind – zumindest in diesem Punkt – smarter.

Dezentrale Apps fördern eine Blockchain-Ökonomie

Tatsächlich revolutionär könnte das durch Smart Contracts ermöglichte Konzept eines dezentralen Computerprogramms werden, man spricht dabei auch von distributed Apps („Dapps“). Diese Apps sind nicht nur sicher vor Ausfällen einzelner Rechner oder Anbieter, sie fördern auch die Entwicklung einer „Blockchain-Ökonomie“. Dieses Wirtschaftsmodell halten einige Experten für eine echte Alternative zu den Zentralisierungstendenzen einer fortschreitenden Plattformisierung, wie wir sie heute schon in Nordamerika oder Asien sehen, wo führende Bigtechs für Millionen von Menschen neben klassischen Online-Dienstleistungen auch Bankgeschäfte abwickeln.

Wer glaubt, in der Blockchain anonym zu bleiben, irrt

Anonymität: gibt es auch in der Blockchain nicht
Anonymität: gibt es auch in der Blockchain nicht
(Bild: Clipdealer)

Weniger Halbwertzeit prophezeie ich den Debatten um das Thema Anonymität, wobei damit meist Pseudonymität gemeint ist. Bereits jetzt müssen sich die Nutzer von Krypto-Handelsplattformen eindeutig identifizieren, um den Anforderungen der Geldwäscheprävention zu genügen. Und je mehr praktische Anwendungsmöglichkeiten hinzukommen, desto mehr wachsen Druck und Anforderungen an die Blockchain-Nutzer, sich transparent zu machen. Die internationalen Anstrengungen, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung einzudämmen, werden diese Entwicklung noch verstärken. Das legen sowohl die jüngeren Äußerungen der G 20 als auch die bereits in der Umsetzung befindliche Änderung der Vierten Geldwäscherichtlinie nahe.

Anlagen in Blockchain bleiben hochspekulativ

Ein echter Hype, wenn nicht sogar eine Blase, waren dagegen die zeitweise exorbitanten Kursgewinne von Krypto-Token wie dem Bitcoin, die auch den Boom der ICOs mit erklären. So schnell wie die Kurse an einem Tag herauf gingen, so schnell gingen sie an anderen Tagen wieder herunter. Anlagen in Blockchain bleiben hochspekulativ, auch Totalverluste halte ich nach wie vor für möglich.

Blockchains, noch ungeeignet als Massenzahlungsmittel

Was an der Blockchain-Technologie Hype ist und was bleibt, führt uns letzten Endes zur Frage „Cui Bono?“, „Wem zum Vorteil?“. In der digitalen Jetztzeit heißt das: „Wem bringt die Blockchain wirklich etwas?“. So weisen echte dezentrale Blockchains, auch die der jüngeren Generationen, gerade bei Leistungsfähigkeit und Skalierung noch so starke Einschränkungen auf, dass sie den frühen Versprechungen von der Ablösung des intermediär basierten Wertpapierhandels oder des Massenzahlungsverkehrs beileibe nicht gerecht werden können.

Insbesondere High Frequency Trader, bei denen es auf Millisekunden ankommt, dürfte die derzeitige Performance der Blockchains nicht vom Hocker reißen. Und vergessen wir nicht die Sicherheitsaspekte. Die inhärenten Gefahren dieser Technologie müssen minimiert werden. Hier kommen Politik, Regulierung und unsere Gretchenfrage ins Spiel. Es muss gelingen, alte und neue Risiken zu adressieren und gleichzeitig die sich bietenden Potenziale dort zur Entfaltung zu bringen, wo sie einen echten Mehrwert bieten. Genau das wird die Kunst sein.

Die komplette Rede „Bitcoin, Blockchain: Was ist Hype und was bleibt?“ von Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vom 7. Juni 2018 in Berlin finden Sie über diesen Link.

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