Halbleiterfertigung Ausgasung: Eine kritische Herausforderung für die Reinheit

Ein Gastbeitrag von Angst+Pfister 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

In Halbleiteranlagen beeinflussen Dichtungsmaterialien unmittelbar Prozesszuverlässigkeit, Wartungsintervalle und Ausbeute. Werkstoffe mit reduzierter Ausgasung können dazu beitragen, Kontamination zu minimieren und stabile Prozessbedingungen aufrechtzuerhalten.

Niedrig ausgasende Elastomere verhindern im Reinraum molekulare Filmbildung auf Wafern und gewährleisten höhere Prozessreinheit, konstante Ausbeuten und weniger Wartungsstillstände.(Bild:  Angst+Pfister)
Niedrig ausgasende Elastomere verhindern im Reinraum molekulare Filmbildung auf Wafern und gewährleisten höhere Prozessreinheit, konstante Ausbeuten und weniger Wartungsstillstände.
(Bild: Angst+Pfister)

In der Halbleiterfertigung bestimmen Präzision und Reinheit den Prozesserfolg. In den hochsensiblen Umgebungen der Waferproduktion können bereits geringste Verunreinigungen die Prozessstabilität beeinträchtigen und ganze Fertigungsläufe gefährden. Eine häufig unterschätzte Kontaminationsquelle ist die Ausgasung von Materialien unter thermischer Belastung, Vakuum oder Plasmaeinwirkung.

Ausgasung beschreibt das Freisetzen von Gasen oder flüchtigen Bestandteilen aus Werkstoffen. In Halbleiteranlagen können diese Emissionen auf Waferoberflächen kondensieren, die Plasmauniformität beeinflussen oder Prozesschemien verändern. Die Folgen reichen von Defekten über verringerte Ausbeuten bis hin zu erhöhtem Wartungsaufwand und Anlagenstillständen. Mit zunehmender Strukturverkleinerung und steigenden Reinheitsanforderungen gewinnt die Materialausgasung zusätzlich an Bedeutung.

Anforderungen an Elastomere in Halbleiterprozessen

Die Materialauswahl für Dichtungen spielt daher eine zentrale Rolle. Elastomere werden in zahlreichen Anlagenkomponenten eingesetzt, unter anderem in Ätz-, Beschichtungs- und Nasschemieprozessen. Unter Prozessbedingungen können jedoch flüchtige organische Verbindungen (VOCs), Feuchtigkeit oder andere Moleküle freigesetzt werden. Selbst sehr geringe Ausgasungsmengen können die Prozessbedingungen in CVD- oder Ätzkammern beeinflussen. Gleichzeitig müssen Dichtungsmaterialien hohen Temperaturen, aggressiven Chemikalien und Plasmaexposition standhalten.

Konventionelle FKM-Werkstoffe erreichen unter diesen Bedingungen häufig ihre Grenzen, insbesondere bei langfristiger Plasmaeinwirkung. Der Bedarf an Perfluorelastomeren (FFKM) mit hoher chemischer Stabilität und geringer molekularer Emission ist daher gestiegen.

Messung und Bewertung der Ausgasung

Zur Bewertung der Materialreinheit werden verschiedene Methoden eingesetzt. Eine verbreitete Methode ist die thermische Desorptionsspektroskopie (TDS), mit der die Freisetzung flüchtiger Bestandteile unter temperatur- und vakuumähnlichen Bedingungen gemessen werden kann. Typische Testbedingungen umfassen einen Temperaturanstieg von Umgebungstemperatur auf +200 °C über 120 Minuten sowie eine anschließende Haltephase unter Vakuum. Aus den Messdaten lassen sich Rückschlüsse auf die Eignung von Werkstoffen für hochreine Prozessumgebungen ziehen.

Werkstofftechnische Ansätze zur Reduzierung der Ausgasung

Perfluorelastomere zeichnen sich durch eine hohe chemische Stabilität und Temperaturbeständigkeit aus. Durch gezielte Polymerarchitektur, kontrollierte Vernetzungsprozesse und Reinraumfertigung lassen sich Werkstoffe entwickeln, die eine geringere molekulare Abgabe im Betrieb aufweisen.

Ein Beispiel hierfür ist die Evolast-FFKM-Werkstofffamilie von Angst+Pfister, die speziell für Anwendungen mit hohen Reinheitsanforderungen entwickelt wurde. Die Werkstofffamilie umfasst verschiedene Varianten für unterschiedliche Einsatzbereiche:

  • PS1-Serie für Nasschemieprozesse
  • PS2-Serie für thermische Hochtemperaturanwendungen
  • PS3-Serie für Plasma- und Gasabscheidungsprozesse

Je nach Variante sind Einsatztemperaturen bis +340 °C möglich.

Material Anwendungstyp Maximale Temperatur (°C) Wichtige Beobachtung zu Evolast-FFKM
PS152 Nasschemische Prozesse +275 Hohe chemische Stabilität; vernachlässigbare VOC-Emission
PS221 Thermische Prozesse +275 Stabil unter Vakuum und thermischer Belastung
PS251 Hochtemperaturprozesse +340 Niedrigste Ausgasung aller Proben
PS321 Plasma- & Gasabscheidung +275 Bewahrt Reinheit unter reaktivem Plasma
PS341 Plasmaätzen +330 Gute Leistung in Sauerstoff-/Fluorplasma
PS342 Plasmaätzen +325 Gleichbleibende Stabilität; hohe Festigkeit der Struktur
PS343 Plasmaätzen +325 Minimaler Masseverlust; hohe molekulare Stabilität

Praxisbeispiel: Abdichtung einer Plasmaätzkammer

In einer Plasmaätzanlage mit hoher Prozessintensität wurden Dichtungsmaterialien benötigt, die auch unter längerer Plasmaexposition stabil bleiben und keine molekularen Verunreinigungen freisetzen. Konventionelle Elastomere zeigten Oberflächenerosion sowie messbare VOC-Emissionen nach mehreren hundert Betriebsstunden. Durch den Einsatz eines Perfluorelastomers der Evolast-Reihe konnten reproduzierbare Prozessbedingungen mit geringer Ausgasung erreicht werden. Die Dichtungen zeigten auch bei Temperaturen bis +330 °C keine Degradation. (sb)

(ID:50764886)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung