Elektronik hilft – Spendenaktion für Ostafrika Afrikas Elektroautos

Redakteur: Kristin Rinortner

Im Rahmen ihrer Spendenaktion „Elektronik hilft“ (siehe Kasten unten) für die Opfer der Hungersnot in Ostafrika berichtet ELEKTRONIKPRAXIS über technologische Projekte, Kooperation und Visionen, die dem schwarzen Kontinent eine bessere Zukunft bescheren sollen. Heute: Das in Uganda entwickelte Elektroauto Kiira, das 2016 in die Serienfertigung gehen soll.

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Bild 1: Computermodell des ugandischen Elektroautos Kiira, das im Jahr 2016 in die Serienfertigung überführt werden soll (Bild: Simone Schlindwein)
Bild 1: Computermodell des ugandischen Elektroautos Kiira, das im Jahr 2016 in die Serienfertigung überführt werden soll (Bild: Simone Schlindwein)

„Auch Afrika ist ein Technologiestandort“, davon ist Paul Musasizi, technischer Leiter des Forschungsprojektes der Universität Makerere in Kampala, Uganda, überzeugt. Denn er bastelt mit 7 Studenten der technischen Fakultät ein Elektroauto.

Es ist zwar nicht das erste in Afrika, 2008 hatten Ingenieure aus dem südafrikanischen Kapstadt den „Joule“ vorgestellt, aber das erste, das die vielen riesengroßen Schlaglöcher auf Ostafrikas Straßen problemlos überwinden soll.

Der Prototyp, der im September 2011 über den Campus rollen soll, wurde auf den Namen „Kiira“ getauft. Der Kiira ist ein zweisitziges Stadtauto mit einem kleinen Kofferraum, das die Eigenschaften eines Jeeps aufweist: extra verstärkte Federung und größere Reifen für mehr Bodenfreiheit. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 60 km/h, die Reichweite bei 50 bis 60 km. Aufgeladen wird es an einer 220-V-Steckdose.

Serienreife für das Elektroauto Kiira 2016 geplant

Bild 1: Computermodell des ugandischen Elektroautos Kiira, das im Jahr 2016 in die Serienfertigung überführt werden soll (Bild: Simone Schlindwein)
Bild 1: Computermodell des ugandischen Elektroautos Kiira, das im Jahr 2016 in die Serienfertigung überführt werden soll (Bild: Simone Schlindwein)
Dabei hofft der Ingenieur, dass bis 2016, dem Jahr, in dem die Serienreife geplant ist, auch die Energieversorgung im Land wesentlich stabiler ist und damit Stromausfälle nicht mehr zum Alltag gehören.

Die Komponenten für das afrikanische Elektroauto, für dessen Entwicklung und Prototypenbau Staatspräsident Yoweri rund 120000 Euro zur Verfügung gestellt hat, stammen fast komplett aus dem Ausland. Nur der Aluminium-Rahmen, die Sitze und die GFK-Verkleidung wurden in Uganda hergestellt.

Lenkrad, Motor, elektrische und elektronische Komponenten haben die Ingenieure in verschiedenen Ländern eingekauft. Beim Rest improvisiert das Team, das aus Maschinenbauern, Elektrotechnikern, Software-Entwicklern, Designern und Kommunikationstechnikern für Automotive besteht. Richard Madana, der Chefkonstrukteur, und Fred Matovu entwickelten den Antriebsstrang, Gerald Baguma, Patricia Atungire und Diana Kagimba zeichneten für das elektrische Kommunikationsnetzwerk verantwortlich, Maurice Wandera und Nasser Gyagenda designten Chassis und Body.

Madana hofft, damit die Anschaffungskosten von umweltfreundlichen Autos zu verringern. Denn obwohl ein japanischer Toyota Mark-II nur etwa 486 Euro kostet, müssen die Ugander noch umgerechnet 2800 Euro für den Transport des Autos nach Uganda bezahlen.

Von der Idee zum Projekt des afrikanischen Elektromobils

Die Idee für das Projekt entstand im Jahr 2006, als das Massachusetts Institute of Technology (MIT) 27 Universitäten der Welt zusammenbrachte, um ein Hybridauto zu bauen, in dem die neuesten Technologien einflossen. Weitere Inspiration lieferte das Elektroauto des japanischen Professors Hiroshi Shimizu, der Eliica (Electric Lithium Ion Car). Das Elektroauto erreichte Geschwindigkeiten von 370 km/h. „Wir waren beeindruckt von dem einfachen Aufbau des Antriebsstrangs“, erinnert sich Musasizi.

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Südafrikas Elektroauto Joule

Der Joule ist das erste auf dem afrikanischen Kontinent entwickelte Elektroauto. Das von Optimal Energy designte Fahrzeug ist ein komfortabler Fünfsitzer, der den UN-ECE-Sicherheitsstandards entspricht. Das Elektroauto mit viel Platz im Inneren ist für nominale Entfernungen von 300 km konzipiert und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h. Die Energie liefert eine modular aufgebaute Lithium-Ionen-Batterie.

Der Body besteht aus einem Stahlrahmen mit einer Verbundwerkstoffkombination aus Glas- und Kohlenstofffasern. Die Bremsenergie wird in der Batterie gespeichert und zur Erweiterung des Fahrbereiches verwendet.

Die Beschleunigung soll sehr sportlich sein, Handling und Dynamik des Fahrzeugs sehr angenehm.

Alle Funktionen, so z.B. die Ladevorgänge und das Batteriemanagement, werden über einen speziell entwickelten und ins Fahrzeug integrierten Computer gesteuert. Alle modernen Sicherheitseinrichtungen wie ABS und Airbags sind vorhanden. Body und Interieur wurden von Keith Helfet designt.

Den Ausschlag für die Entwicklung gaben neben einem wachsenden Selbstbewusstsein der Ugander etwas selbst zu schaffen zum einen die nicht erst seit den Unruhen in Libyen steigenden Benzinpreise. Auch die Katastophe in Japan führte zu steigenden Preisen der meist aus Japan importierten Gebrauchtwagen.

Umweltfreundliche Elektroautos für Afrikas Smog-Großstädte

Und nicht zuletzt sei der ständige Smog aus Autoabgasen über den großen afrikanischen Städten wie Kampala ein Grund, etwas zu tun, um die Luftverschmutzung zu verringern, so Musasizi. Denn die Gentrifizierung wird auch in Ostafrika in den nächsten Jahren rapide zunehmen.

Als nächstes Projekt will die Fakultät deshalb einen 14-Sitzer entwickeln, der die Studenten auf dem Campus transportiert. Taxis und Boda-Bodas (motorisierte Fahrradtaxis) müssen dann zukünftig vor den Toren des Campus bleiben.

Quellen: Mak News, taz, ADAC-Blog

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