Vor 40 Jahren gründeten Prof. Dr. Günter Zimmer, Dr. Klaus Weyer und Norbert Ellenberger ein Hightech-Unternehmen für kundenspezifische Mikrochips. Zu den ersten Kunden zählten Rowenta, Miele und BMW. Im ersten Teil blicken wir zurück auf die Anfänge und wie es später zur Zusammenarbeit mit Samsung kam.
Fachgespräch mit Dr. Klaus Weyer (zweiter von links) und dem damaligen amtierenden Oberbürgermeister der Stadt Dortmund Günter Samtlebe (rechts) bei der Eröffnung des Elmos Firmengebäudes im Jahr 1985.
(Bild: Elmos)
In diesem Jahr feiert Elmos Semiconductor SE sein 40-jähriges Bestehen. Seit der Gründung im Jahr 1984 hat sich das Unternehmen zu einem erfahrenen Anbieter für automobile Mixed-Signal-Halbleiter weltweit entwickelt. Zeit, auf die spannende Geschichte des Unternehmens zurückzublicken. Im ersten Teil geht es um die Gründung und erste Projekte.
Blickt man zurück – Dortumund 1984, grüne Wiese – Kohle und Stahl dominierten das Image des Ruhrgebiets. Damals war es unvorstellbar, an solch einem Standort ein Hightech-Unternehmen für Mikrochips zu etablieren. Der Bedarf des Marktes für Halbleiter fokussierte sich auf die Märkte Konsum und Industrie. Autos waren Nebensache. Doch Prof. Dr. Günter Zimmer, Dr. Klaus Weyer und Norbert Ellenberger gründeten mit der Idee eine Halbleiterfertigung für Analog Mixed Signal ICs aufzubauen. Es sollten kundenspezifische Chips, die sogenannten ASICs, in CMOS-Technologie für maßgeschneiderte Produkte gefertigt werden, die zuvor in Europa fast ausschließlich von Großunternehmen wie AEG und Siemens hergestellt wurden.
„Die Gründer erkannten, dass es eine Lücke im Markt gab: Die Nachfrage nach maßgeschneiderten Halbleitern stieg, aber das Angebot war begrenzt und meist auf Standardprodukte fokussiert“, sagt Tobias Weyer. Er leitet die Kommunikationsabteilung bei Elmos und ist nach seinem Vater Dr. Klaus Weyer die nächste Generation im Unternehmen.
„Mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Dortmund konnten wir als erstes Unternehmen im Technologiepark Dortmund gegründet werden. Schon früh entstand eine enge Zusammenarbeit mit der Universität Dortmund, welche die Entwicklung innovativer Technologien förderte“, erzählt Tobias Weyer. Auf einer Fläche von rund 1.350 m² wurde die Grundlage für die Produktion von Mikrochips gelegt – eine damals im Ruhrgebiet nahezu unvorstellbare Entwicklung. Doch Elmos bewies von Anfang an, dass durchdachte Ideen auch in einer Region mit traditionell starker Industriegeschichte erfolgreich umgesetzt werden können.
Ein bedeutender technologischer Meilenstein war 1986 die Inbetriebnahme der Vier-Zoll-Wafer-Fertigung. Sie ermöglichte es Elmos, die ersten Produkte für Kunden wie Leica und Miele zu entwickeln. „Der große Erfolg kam schließlich mit einem Chip für ein Rowenta-Bügeleisen, obwohl der Markt für diese speziellen Produkte noch in den Kinderschuhen steckte“, erzählt Weyer.
Mit BMW gelang uns 1987 ein strategischer Durchbruch.
Tobias Weyer, Elmos
BMW wird Kunde und erste 6-Zoll-Wafer
Schließlich kam auch ein Automobilbauer zum Kundenkreis hinzu. „Mit BMW gelang uns 1987 ein strategischer Durchbruch, dank dem Elmos Zugang zum Automobilmarkt erhielt, was zu einer erheblichen Expansion führte. Der Münchener Automobilhersteller erkannte das Potenzial von Elmos-Produkten für Anwendungen im Fahrzeugbau, wie zum Beispiel die Ansteuerung von Scheibenwischanlagen und Sitzheizungen“, sagt Weyer.
1995 stellte Elmos auf 6-Zoll-Wafer um, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden und kostengünstiger produzieren zu können. Dieser Schritt war entscheidend, um den steigenden Anforderungen der Automobilindustrie gerecht zu werden. „Anfang der 2000er Jahre konzentrierten wir uns auf applikationsspezifische Standardprodukte (ASSPs). Daraus sind Entwicklungen wie der weltweit erste FlexRay-Sternkoppler entstanden, den BMW eingesetzt hatte. Im Jahr 2001 erwarb Elmos die Silicon Microstructures Inc. (SMI) in den USA. Mit dem Unternehmen bekamen wir Zugang zu siliziumbasierten Sensorsystemen (MEMS) und das Produktportfolio um Drucksensoren erweiterte“, sagt Weyer.
Transfer der 350-nm-Technologie
Die Kooperation mit dem ersten Foundry-Partner im Jahr 2008 ermöglichte zudem den Transfer der 350-nm-Technologie von Elmos. Damit konnte Elmos seine Produktionskapazität erhöhen und kleinere Strukturbreiten in 180 nm entwickeln. „Mit der Einführung der Gestensteuerung im VW Golf 7 im Jahr 2012 für berührungslose Bedienkonzepte wurde ein weiteres Produktfeld erschlossen“, blickt Weyer zurück.
Schließlich wurde im Jahr 2020 mit Samsung ein weiterer bedeutender Foundry-Partner gewonnen, der den Zugang zu modernsten Prozesstechnologien sicherstellt. „Dieser Schritt war Teil der Fablite-Strategie von Elmos, die flexible und wettbewerbsfähige Fertigungskapazitäten ermöglicht“, erzählt Weyer. Die jüngste Entwicklung im Jahr 2023, der Verkauf der Waferfab, ist ein weiterer Meilenstein. „Dieser Schritt signalisiert den Übergang von einer Fablite- zu einer Fabless-Struktur, die es Elmos ermöglicht, sich noch stärker auf die Entwicklung innovativer Produkte zu konzentrieren und gleichzeitig mit modernsten Fertigungstechnologien zu produzieren“, sagt Weyer abschließend. (heh)
Stand: 08.12.2025
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Das ist der erste Teil der Geschichte von Elmos. Im zweiten Teil lesen Sie unter anderem, welche Rolle applikationsspezifische Standardprodukte (ASSPs) in der Produktstrategie von Elmos spielen und wie man sich auf die zunehmende Komplexität und Digitalisierung in der Automobilindustrie einstellen will.