Energiespeicher-Offensive 291 Megawatt Gesamtleistung für ein stabiles Netz

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 3 min Lesedauer

Litauen investiert in eines der größten Batteriespeicherprojekte im Baltikum: 291 Megawatt Leistung sollen ab 2027 das Stromnetz stabilisieren und erneuerbare Energien flexibler integrieren.

So soll der Batteriespeicher in Litauen einmal aussehen.(Bild:  Nidec Conversion)
So soll der Batteriespeicher in Litauen einmal aussehen.
(Bild: Nidec Conversion)

An drei strategisch wichtigen Standorten entsteht in Litauen derzeit ein Batteriespeichersystem mit einer Gesamtleistung von 291 Megawatt und einer Speicherkapazität von 582 Megawattstunden. Federführend ist die Ignitis Group, das größte börsennotierte Energieunternehmen der baltischen Staaten. Technologisch umgesetzt wird das Vorhaben gemeinsam mit der Power-Systems-Sparte von Rolls-Royce. Einen zentralen Baustein liefert Nidec Conversion mit seinen integrierten Leistungsmodulen.

Mit der geplanten vollständigen Inbetriebnahme bis 2027 soll das Projekt nicht nur die Integration erneuerbarer Energien beschleunigen, sondern vor allem die Energiesicherheit des Landes stärken. Angesichts der zunehmenden Elektrifizierung und schwankender Einspeisung aus Wind- und Solarenergie gewinnt diese Art von Infrastruktur für nationale Stromsysteme strategische Bedeutung.

291 MW / 582 MWh: Dimension und Bedeutung

Installiert werden die Systeme an den Windparkstandorten Kelmė und Mažeikiai sowie in der Nähe des Pumpspeicherkraftwerks Kruonis. Diese Standortwahl ist strategisch: Windparks erzeugen stark fluktuierende Leistungen, während das bestehende Pumpspeicherkraftwerk bereits heute eine zentrale Rolle bei der Netzstabilisierung spielt. Die Batteriespeicher fungieren hier als zusätzliche, besonders schnell reagierende Flexibilitätsreserve.

Rolls-Royce liefert im Rahmen seines bisher größten Auftrags im Bereich stationärer Batteriespeicher die mtu EnergyPack-Systeme. Diese containerisierten Lösungen sind für Anwendungen im Versorgungsmaßstab ausgelegt und integrieren Batteriemodule, Leistungselektronik, Steuerungstechnik und Sicherheitskomponenten in einem skalierbaren Gesamtsystem.

Die Rolle von Nidec: Integrierte Leistungsmodule als Herzstück

Während Batteriesysteme häufig im Fokus stehen, entscheidet die Leistungselektronik über ihre tatsächliche Netzwirksamkeit. Das ist die Aufgabe von Nidec Conversion. Das Unternehmen liefert Leistungs- oder Power-Module, die als Bindeglied zwischen Batterie und Stromnetz fungieren.

Das Modul ist als vormontiertes, auf einem Skid aufgebautes System konzipiert. Es vereint einen Energieumwandlungssystem-Schrank, also das eigentliche Power Conversion System, einen Transformator sowie eine Mittelspannungsschaltanlage in einer integrierten Einheit. Diese Kombination reduziert Schnittstellen, vereinfacht die Installation vor Ort und minimiert potenzielle Fehlerquellen.

Das Power Conversion System übernimmt die bidirektionale Umwandlung von Gleichstrom aus den Batterien in netzkonformen Wechselstrom und umgekehrt. Der Transformator passt die Spannung an das jeweilige Netzlevel an, während die Mittelspannungsschaltanlage die sichere Einbindung in das übergeordnete Netz ermöglicht. Durch die Integration dieser Komponenten in einem kompakten Modul entsteht eine hohe Leistungsdichte bei gleichzeitig reduziertem Platzbedarf.

Gerade bei Projekten im Versorgungsmaßstab sind Aspekte wie Geräuschentwicklung, Wartungszugänglichkeit und modulare Erweiterbarkeit entscheidend. Das System von Nidec ist auf einen niedrigen Geräuschpegel ausgelegt und eignet sich damit auch für Standorte in sensiblen Umgebungen. Zugleich basiert es auf jahrzehntelanger Erfahrung des Unternehmens in der industriellen Leistungselektronik und Netztechnik.

Netzstabilität als strategisches Ziel

Batteriespeicher dieser Größenordnung erfüllen mehrere Funktionen im Stromsystem. Sie glätten Lastspitzen, stellen Primär- und Sekundärregelenergie bereit und ermöglichen es, überschüssige erneuerbare Energie zeitversetzt ins Netz einzuspeisen. Insbesondere in Regionen mit stark wachsender Windenergie, wie es in Litauen der Fall ist, gewinnen solche Systeme an Bedeutung.

Wenn Windparks mehr Strom erzeugen, als aktuell verbraucht wird, kann die Energie zwischengespeichert werden, anstatt Anlagen abzuregeln. Bei steigender Nachfrage oder sinkender Einspeisung wird sie wieder ins Netz abgegeben. Dadurch sinkt die Abhängigkeit von fossilen Reservekraftwerken, und die Netzfrequenz bleibt stabil. Für Litauen bedeutet das Projekt zudem einen weiteren Schritt hin zu größerer energetischer Unabhängigkeit und Resilienz.

Partnerschaft

Die Kooperation zwischen Ignitis Group, Rolls-Royce und Nidec Conversion zeigt, wie internationale Industrieunternehmen und nationale Versorger gemeinsam an der Transformation des Energiesystems arbeiten. Für Rolls-Royce markiert der Auftrag den bislang größten Meilenstein im BESS-Segment, für Nidec unterstreicht er die Position als Anbieter integrierter Leistungselektroniklösungen im globalen Markt.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Mit der geplanten vollständigen Inbetriebnahme bis 2027 entsteht in Litauen eine Speicherinfrastruktur, die weit über ein Einzelprojekt hinausweist. Sie ist Teil einer strategischen Neuausrichtung hin zu einem flexiblen, digital gesteuerten und erneuerbaren Energiesystem. Die Kombination aus leistungsfähigen Batteriespeichern und integrierter Umrichtertechnik bildet dabei das technische Rückgrat für ein stabiles Netz in Zeiten wachsender Volatilität.

Das Projekt steht exemplarisch für eine Entwicklung, die in ganz Europa an Dynamik gewinnt: Der Ausbau erneuerbarer Energien allein reicht nicht aus. (mr)

(ID:50711110)