Turck 20 Jahre Elektronikfertigung und Entwicklung in Beierfeld bei Chemnitz

Redakteur: Claudia Mallok

Mit einem Festakt und einem Tag der offenen Tür feiert Turck im Juni das 20-jährige Bestehen seines Produktions- und Entwicklungsstandorts in Beierfeld bei Chemnitz. Das Werk in Sachsen fertigt zu 25% Teile des „gelben“ Turck-Katalog-Programms. 75% sind Auftragsfertigungen für die Kfz-Elektronik und alle Sparten der Industrie-Elektronik.

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„Wir sind Elektronikspezialist aber kein Massenbestücker“, stellt Werner Turck, Geschäftsführer der Turck duotec GmbH klar. Der Name duotec steht für zwei Technologien – Dickschicht- und COB-Technologie. „Unser Anspruch“, so Turck, „ist eine Komplettlösung anzubieten, stets mit der Beratung, was für den Kunden das Beste ist.“ Philosophie des Hauses und Erfolgsrezept ist der Anspruch von Werner Turck: „Die Technologie beherrschen und aus der Technologie heraus Produkte entwickeln.“

Schließlich ist die Zyklus-Zeit der Technologie deutlich länger als die Lebensdauer eines Produktes. Darin unterscheide man sich auch vom reinen EMS-Anbieter, da man aus der Technologiekenntnis heraus mehr anbieten kann. „Der Kunde muss das Gefühl haben, wenn er zu Turck kommt, hat er Vorteile durch die Beratung und Vielseitigkeit“, ist die Maxime von Werner Turck. „Natürlich fällt das nicht vom Himmel“, erklärt der engagierte Unternehmer und verweist auf ein Team von über 100 Entwicklern.

„Aus unserer Technologiekompetenz heraus entwickeln wir Produkte, die unseren Kunden Gewinn bringen“, Werner Turck, Geschäftsführer Turck duotec GmbH (Archiv: Vogel Business Media)

Vor etwa 25 bis 30 Jahren starteten bei Turck die Überlegungen für die Entwicklung der Sensoren, die Vorteile der Hybridtechnik zu nutzen und ungehäuste ICs zu verarbeiten. Der Eigenbedarf für diese Technologie war allerdings nicht groß genug, um die Millionen-Investition zu refinanzieren. Darum sollte das hierfür 1987 in Halver gegründete Unternehmen Turck duotec Dickschicht- und COB-Technik nicht nur für den eigenen Bedarf produzieren, sondern auch als Dienstleister für externe Kunden anbieten.

Nackt-Chip-Verarbeitung und spezielles Packaging

Die Rechnung ist aufgegangen: Die Produkte von Turck duotec sind auf der ganzen Welt verbreitet – und fahren als Türtaster in jedem Hochgeschwindigkeitszug von der Magnetschwebebahn in Shanghai oder dem ICE. Möglich macht’s die besondere Expertise in der Aufbau- und Verbindungstechnik, wodurch die Türtaster die extremen Belastungen der witterungsbedingten Temperaturschwankungen aushalten. Besonders stolz ist man auch auf die Fähigkeit, LED-Kristalle vom Wafer zu verarbeiten.

Ein besonderer Schwerpunkt neben der Verarbeitung ungehäuster ICs ist das Packaging der Elektronik zum Schutz vor Umwelteinflüssen. Hierfür beherrscht man das Vergießen, Verschäumen, Dispensen, Lackieren und direkte Umspritzen der Elektronik mit Kunststoff.

Vor gut 20 Jahren waren die Fertigungskapazitäten im Werk in Halver nahezu ausgereizt. Auf der Suche nach einem Kooperationspartner in den neuen Bundesländern fand man im ehemaligen Messgerätewerk Beierfeld einen vielversprechenden Partner. Das Werk war das einzige in der ehemaligen DDR, das induktive und optoelektronische Sensoren herstellte.

Einer der größten Arbeitgeber im Erzgebirge

Eberhard Grünert, Geschäftsführer der Turck duotec GmbH hat in Beierfeld für das Krisenjahr 2009 einen Umsatzzuwachs zu vermelden (Archiv: Vogel Business Media)

„Seit den 1970er Jahren haben wir uns im Messgerätewerk Beierfeld mit Elektronikentwicklung und -produktion beschäftigt, und diese Tradition wollten wir möglichst nach dem Mauerfall fortführen“, erzählt Eberhard Grünert, damaliger Stellvertreter des Betriebsdirektors und heute Geschäftsführer der Turck Beierfeld GmbH sowie der Turck duotec GmbH.

Die 1990 mit fünf Mitarbeitern gegründete Turck Beierfeld GmbH ist heute mit 300 Mitarbeitern einer der wichtigsten Arbeitgeber im Erzgebirge. „Ich bin sehr stolz auf unsere Beierfelder“, kommentiert Werner Turck. Das Werk habe keinerlei westliche Hilfe gebraucht und sich parallel zum Standort Halver entwickelt.

In Beierfeld wurden anfangs vorrangig Produkte aus dem Turck-Programm gefertigt. Zwei Jahre später folgten erste kundenspezifische Baugruppen und heute machen kundenspezifische Produkte 75% des Umsatzes aus. „Wir waren in der Fertigungssteuerung, Fertigungs- und Prozessoptimierung schon immer flexibel und leistungsfähig“, betont Grünert, „das kommt uns für das Dienstleistungsgeschäft sehr zu gute.“ Die Stärke sei nicht nur das Beherrschen der Technologien – das können andere EMS-Anbieter auch – sondern Einbettung in die Turck-Gruppe und große Vielfalt der Möglichkeiten.

Kontinuierliche Investitionen in Mitarbeiter und Prozesse

Firmengebäude in Beierfeld bei Chemnitz: Im Juli 1990 ist die Turck Beierfeld GmbH aus dem ehemaligen Messgerätewerk der DDR hervorgegangen (Archiv: Vogel Business Media)

Sukzessive ist das Werk im sächsischen Beierfeld mit seinen Bestandskunden gewachsen, hat kaum Kunden verloren und stets neue hinzugewonnen. Das spiegelt sich auch im Umsatz 2009. „Turck duotec hat nur geringe Umsatzrückgänge ver-buchen müssen und in Beierfeld ist der Umsatz sogar leicht gestiegen“, erzählt Eberhard Grünert. Ein Grund ist natürlich auch die breite Ausrichtung auf Kfz-Elektronik, Bahntechnik, Medizintechnik, Gebäude-, Sicherheits- und Schließtechnik, Antriebstechnik, Messtechnik und Beleuchtungstechnik.

Die besondere Expertise von Turck duotec ist die Verarbeitung ungehäuster ICs sowie verschiedenen Maßnahmen zum Schutz von Baugruppen vor Umwelteinflüssen (Archiv: Vogel Business Media)

Zudem wurde in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich in Mitarbeiter, Maschinenpark und Immobilien investiert. Beispiele: So wurde eine weitere hochmoderne Selektivlötanlage installiert, um kostengünstig und schnell die von den 6 SMD-Linien zur Verfügung gestellten Leiterplatten weiter zu verarbeiten. Im Einkauf wurde ein zusätzliches 5-köpfiges Team gebildet, das sich ausschließlich mit der Recherche von Bauteilen beschäftigt.

Zurzeit wird zudem ein umfangreiches Software-Tool installiert, um die gewonnenen Informationen systematisch zu dokumentieren und allen Bereichen zur Verfügung zu stellen. Außerdem wurde der Vertrieb um 3 neue Mitarbeiter verstärkt sowie ein eigenes Engineering-Team für kundenspezifische Entwicklungen aufgebaut.

Insgesamt beschäftigen sich in Beierfeld 54 Mitarbeiter mit Engineering-Tätigkeiten. So gerüstet prognostizieren die Geschäftsführer der Turck duotec in den nächsten 5 Jahren den Umsatz zu verdoppeln.

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