Gastkommentar von Dr. Rainer Kling 1,3 Millionen Euro für die Siliziumkarbid-Forschung
„Grundlagenforschungsprojekte wie dieses ermöglichen nachhaltige technische Innovationen für unsere Wirtschaftund damit auch für die Gesellschaft.“
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Den Wirkungsgrad der Stromversorgung in industriellen Prozessen zu erhöhen und dadurch Energie und CO2 einzusparen, ist Ziel des neuen Verbundprojekts „Modulare Mittelfrequenz-Prozessstromversorgung mit Siliziumkarbid-Leistungshalbleiterschaltern“, kurz MMPSiC: Forscher am Lichttechnischen Institut (LTI) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) untersuchen gemeinsam mit den Industriepartnern TRUMPF Hüttinger und IXYS Semiconductor den Einsatz von Leistungshalbleiterschaltern aus Siliziumkarbid.
Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit rund 800.000 Euro. Von der Halbleiterfertigung über die Beschichtung von Displays bis hin zu Prozessen im Automobilbau verbrauchen viele industrielle Verfahren große Mengen elektrischer Energie. Darunter sind auch Technologien, die eine wichtige Rolle für die Energiewende spielen, wie das Zonenschmelzverfahren (Float-Zone-Verfahren) zum Herstellen von hochreinen kristallinen Werkstoffen: Die Substanz wird in einer schmalen Zone elektrisch geschmolzen; die Schmelzzone wird nach und nach weitergeführt. Hinter der Schmelzzone kristallisiert die Substanz reiner als zuvor. Das Zonenschmelzverfahren liefert unter anderem hochreine Silizium-Einkristalle für die Herstellung von Solarzellen.
Zur Stromversorgung von Zonenschmelzanlagen werden bis jetzt auf Röhrentechnologie basierende Systeme eingesetzt, die einen elektrischen Wirkungsgrad von maximal 65 Prozent aufweisen. Durch eine Umstellung auf Leistungshalbleiter aus Siliziumkarbid ließe sich der Wirkungsgrad der Prozessstromversorgungen auf über 80 Prozent steigern. Dies würde große Mengen an elektrischer Energie einsparen und Treibhausgasemissionen reduzieren. Zum Beispiel würde sich für eine einzige Float-Zone-Großanlage, bestehend aus 20 einzelnen 150-kW-Prozessstromversorgungen, bei einer jährlichen Laufzeit von 4800 Stunden eine Einsparung von mehr als 200.000 kWh elektrischer Energie und damit 109 Tonnen CO2 ergeben.
Die Realisierbarkeit solcher Prozessstromversorgungen untersuchen unsere Forscher am Lichttechnischen Institut des KIT gemeinsam mit den Partnern TRUMPF Hüttinger GmbH + Co. KG in Freiburg und IXYS Semiconductor GmbH in Lampertheim im Verbundprojekt MMPSiC. Als Halbleitermaterial bietet Siliziumkarbid verschiedene Vorteile: Aufgrund der größeren elektronischen Bandlücke ermöglicht es beispielsweise deutlich höhere Betriebstemperaturen als konventionelle Halbleiter in Silizium. Leistungselektronik, basierend auf Siliziumkarbid-Halbleitermaterial, zeichnet sich schließlich besonders durch höhere Energieeffizienz und Kompaktheit aus.
Bei der Stromversorgung von energieintensiven industriellen Anwendungen wie dem Zonenschmelzverfahren ist es erforderlich, mit hohen Frequenzen oberhalb von 2 MHz zu schalten. Siliziumkarbid ist aber für diese erforderlichen hohen Frequenzen noch nicht erprobt; wir betreten damit Neuland. Neben der Prüfung der Langzeitbeständigkeit gehören auch grundlegende Arbeiten im Bereich der Leistungshalbleiter-Modulentwicklung, sowie Untersuchungen von Schaltungs- und Steuerungstechnologien zu den Aufgaben der KIT-Forscher im Verbundprojekt MMPSiC.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Projekt MMPSiC auf der Grundlage des Programms „Informations- und Kommunikationstechnologie 2020“ (IKT 2020) im Rahmen der Fördermaßnahme „Leistungselektronik zur Energieeffizienzsteigerung“ (LES 2) mit rund 800.000 Euro. Davon erhält das LTI des KIT rund 439.000 Euro. Insgesamt beträgt das Projektvolumen 1,3 Millionen Euro. Das Verbundprojekt startete 2014 und ist auf drei Jahre angelegt. Ein tief greifender Technologiewechsel zur Energieeffizienzsteigerung der industriellen Prozesstechnologie wirkt sich in der Wertschöpfungskette der Energieversorgung positiv auf die Gesamtbilanz aus und sichert den technologischen Vorsprung deutscher High-Tech-Unternehmen. //KU
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