Bauteileeinkauf So schützen Sie sich vor Obsoleszenz

Redakteur: Margit Kuther

Die Lebenszyklen von Systemen sind oft länger als die der Komponenten. Ein Austausch nicht mehr verfügbarer Bauteile wird teuer. Der Leitfaden Obsoleszenz-Management des ZVEI informiert.

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Abgekündigt, was nun: Der Leitfaden „Obsoleszenz-Management“ des ZVEI informiert.
Abgekündigt, was nun: Der Leitfaden „Obsoleszenz-Management“ des ZVEI informiert.
(Bild: TQ-Gruppe)

Der Lebenszyklus von elektronischen Bauelementen wird nicht nur im Consumer- sondern auch im Industriesegment immer kürzer: Doch insbesondere im Industriesegment ist die Nachfrage nach langjähriger Verfügbarkeit, etwa in der Medizin, nach wie vor relevant. Obsoleszenz, also das Fehlen von Bauelementen, Produkten, oder Prozessen, wird sich daher in den nächsten Jahren noch verschärfen. Fehlt eine Komponente, wirkt sich dies auf die gesamte Lieferkette aus.

Weil dieses Thema so wichtig und brisant ist, hat sich der Fachverband PCB and Electronic Systems des ZVEI intensiv mit Obsoleszenz beschäftigt und präsentiert auf der Messe electronica 2014 in München (11. bis 14. November 2014) seinen neuen Leitfaden „Obsoleszenz-Management. Der Schlüssel zur Langzeitverfügbarkeit elektronischer Systeme“, der laut Georg Höller vom ZVEI „wachrütteln“ soll. Die ELEKTRONIKPRAXIS präsentiert relevante Auszüge.

Ergänzendes zum Thema
Obsoleszenz, auch das Thema der COG

Auch die Mitgliedsfirmen der Component Obsolescence Group Deutschland (COG) informieren zu Obsoleszenz. Denn „wer meint, Obsolescence aussitzen zu können, sitzt auf einem wackeligen Stuhl“, so Ulrich Ermel, Vorstandsvorsitzender des COG Deutschland. Im Rahmen des 2. Obsolescence Day am 11. November auf der electronica 2014 in München geben die COG-Mitglieder Antworten auf brisante Fragen, die angesichts der in den letzten Jahren enorm gestiegenen Versorgungs- und Kostenrisiken immer mehr Entwickler, Einkäufer und Supply Chain-Experten aus den Bereichen Automatisierungs-, Automobil-, Bahn-, Kraftwerks-, Medizin oder Militärtechnik bewegen.

Meist werden kürzere Produktlebenszyklen und -abkündigungen als Gründe für Obsoleszenz genannt. Doch die Ursachen sind vielschichtiger, wie die ZVEI-Broschüre offenbart. So spielen neben „Unwirtschaftlichkeit und Marktanpassungen auch Umweltschutz wie RoHS, aber auch politische Forderungen und Compliance wie REACH und Dodd-Frank Act“ eine Rolle.

Obsoleszenz erfordert ein ausgeklügeltes Management

Das diffizile Konstrukt Obsoleszenz ist nur mit einem ausgeklügelten Obsoleszenz-Management (OM) in den Griff zu bekommen, das „gefährdete Güter frühzeitig identifiziert ... und zur Sicherung der Langzeitverfügbarkeit elektronischer Systeme“ beiträgt.

Georg Höller sieht den Obsoleszenz-Leitfaden daher auch für alle Beteiligten als „Gesprächsleitfaden und Checkliste, um mit Partnern und Interessenten ins Gespräch zu kommen, Schwachstellen zu identifizieren und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten“. Zunächst befasst sich der Leitfaden auch mit den verschiedenen Stufen der Obsoleszenz und den jeweils erforderlichen Maßnahmen: reaktives OM, proaktives OM und strategisches OM. Wichtige Ziele sind die Langzeitverfügbarkeit des Produktes, aber auch Kosteneinsparungen, etwa durch rechtzeitige Information und nachhaltiges Design.

Einbeziehung der Lieferanten und Kunden in das OM

Obgleich der Obsoleszenz-Leitfaden als Diskussionsgrundlage zwischen EMS und Kunden gedacht ist, eignet er sich für alle Beteiligten entlang der Supply Chain, denn nur eine „stetige Kommunikation innerhalb der Lieferkette schafft Vertrauen". Es ist daher unerlässlich, sowohl die Lieferanten als auch die Kunden in das OM einzubinden. Wer Unterstützung durch kompetente Partner wünscht, findet zudem eine Übersicht von ZVEI-Mitgliedern, die Dienstleistungen rund um Obsoleszenz anbieten. Georg Höller fasst zusammen: „Obsoleszenz Management ist eine gut angelegte Investition.“

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