Im Oktober 1977 liefert Taschenrechnerhersteller Commodore erstmals eigene, komplette Rechnersysteme aus. Der PET 2001 gilt als erschwingliches System für Schulen und Büros gilt. CEO Jack Tramiel ruft damit eine neue Maxime für die Rechnerlandschaft aus, die mit der Tradition von HP, DEC und IBM bricht: Günstige Computer für die Massen - statt für die Klassen.
Masse statt Klasse: Der fast 20 Kilo schwere PET 2001 von Commodore richtete sich dank seiner professionell anmutenden Aufmachung in erster Linie an Schulen und mittelständische Unternehmen.
Mitte der 70er Jahre befand sich das von einer Gruppe ehemaliger Motorola-Ingenieuren gegründete Chip-Startup MOS Technology in einem Dilemma. Zwar war es Chefentwickler Chuck Peddle gelungen, mit dem MOS 6502 einen billigen Mikroprozessor zu entwickeln, der sich mit der bestehenden Konkurrenz messen konnte, mit einem Stückpreis von 25 US-$ allerdings weit unter den meist hunderte Dollar kostenden Bauteilen von Intel & Co. lag. Doch es fehlte an Käufern: Der Taschenrechnermarkt, einer der Hauptabnehmer für Mikroprozessoren, befand sich in einem Preiskrieg und war am Einbrechen. Zudem drohte eine Klage von Motorola bezüglich der ersten Entwicklung des Unternehmens, dem zum Motorola 6800 pinkompatiblen Prozessor MOS 6501.
Einer der letzten verbliebenen Großkunden war Büromaschinenhersteller Commodore. Im September 1976 beschloss deren CEO Jack Tramiel, MOS Technologies zu schlucken: Er setzte auf vertikale Integration und war in erster Linie daran interessiert, für sein Taschenrechnergeschäft eine eigene, feste Quelle für Chips zu besitzen.
Chuck Peddle ist eifrig bemüht, die Fähigkeiten seines Prozessor zu bewerben und nach neuen Anwendungsfeldern zu suchen. Dabei hat er auch ein aufmerksames Auge auf die langsam entstehende Hobbyistenszene. Als Steve Wozniak während der Entwicklung des Apple I Probleme im Umgang mit dem 6502-Prozessor hat, kommt der Chefentwickler persönlich in seiner Garage vorbei, um ihm bei der Entwicklung seines Bausatzrechners weiterzuhelfen.
1976 stellte MOS Technologies den KIM-1 vor: Der "Keyboard Input Monitor" war essentiell ein Entwicklungsboard, das Ingenieuren den Umgang mit dem neuen MOS 6502 Prozessor erleichtern und die Möglichkeiten des Chips demonstrieren sollte. Chuck Peddle bemerkte allerdings, das der KIM-1 auch bei Hobbyisten gut ankam: Da der Computer auf einer gedruckten Leiterplatte bereits weitgehend vollständig geliefert wurde, sprach er all diejenigen Nutzer an, die nicht selbst löten, Leitungen legen oder Kondensatoren und dergleichen setzen wollten.
Vor- und Nachteile der vertikalen Integration
Die Idee, einen Computer für das Bürogeschäft zu entwickeln, fällt bei dem neuen Chef Jack Tramiel auf fruchtbaren Boden: Zwar mit wenig Entwicklungsbudget, aber viel Ehrgeiz für Marketing wird das Projekt in Angriff genommen. Bereits im Januar 1977 - lange vor der Konkurrenz - wird der "Personal Electronic Transactor" - kurz PET - für den Massenmarkt angekündigt. Die Spezifikationen klingen vielversprechend: Integrierter Monitor, Tastatur und Kasettenlaufwerk in einem Gehäuse, intern ausgestattet mit 4 KByte RAM und eigenem BASIC für weniger als 500 US-$ lassen den Elektronikmarkt aufhorchen. Noch im selben Monat gehen die ersten Bestellungen ein. Im März 1977 bekommt das Fachpublikum auf der Hannover Messe den PET 2001 - die Zahl wurde hinzugefügt, um moderner und technischer zu klingen - in einem provisorischen Holzgehäuse erstmals zu sehen.
Allerdings kommt die Entwicklung nicht so schnell voran wie geplant. Das Kernstück des PET 2001 ist ein MOS 6502-Prozessor, getaktet auf 1 MHz. Hinzu kommen 8 Sockel für - auf bis zu 96 KByte erweiterbaren - Speicher. Doch MOS Technologies produziert zwar einen bahnbrechenden Mikroprozessor, aber keine zuverlässigen RAM-Bausteine. Zudem besteht Jack Tramiel auf vertikale Integration: Alle Bestandteile müssen von Commodore kommen, es werden keine Bauteile von extern zugekauft. Chuck Peddle entwirft den PET 2001 daher als geschlossenes System ohne Erweiterungsslots, ganz im Gegensatz etwa zum Apple II. Das schränkt die Erweiterbarkeit ein, verhindert allerdings auch die Klon-Problematik, mit der die Konkurrenz zu kämpfen hatte. Bis zu 15 zusätzliche externe Geräte können über eine IEEE-488-Schnittstelle angeschlossen werden.
Der Rechner ist massiv: Statt in einem Gehäuse aus gegossenem Plastik, wie es bei späteren Commodore-Modellen der Fall ist, steckt der PET 2001 in einem Gehäuse aus Metallblech, was ihm ein vergleichsweise gewaltiges Gewicht von knapp 20 Kilogramm verleiht. Zeitgenossen vermuteten augenzwinkernd, dass der Rechner genau deshalb in Schulen beliebter war als der Apple II oder der TRS-80: Der Computer war schlichtweg zu schwer, als dass man ihn einfach hätte stehlen können. Um an die Leiterplatte heranzukommen, wurde der Rechner ähnlich einer Motorhaube geöffnet, hochgeklappt und ob des schweren Gewichts mit Hilfe einer entsprechenden Stange aufgehalten.
Stand: 08.12.2025
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