Flashspeicher Toshiba erwartet Einnahmen von 13 Milliarden Euro durch Verkauf des Flash-Geschäfts

Sebastian Gerstl

Der finanziell angeschlagene Elektronikkonzern Toshiba erwägt offenbar den Verkauf seiner gesamten Flashspeicher-Sparte. In den an interessierte Investoren versandten Angebotsunterlagen wird der Wert der Sparte auf 1,5 Billionen Yen (rund 12,6 Mrd Euro) taxiert, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet.

Flash-Speicherkarten von Toshiba: Nach Angaben des Nachrichtendienstes Reuters möchte der japanische Halbleiterhersteller knapp 20% seines Flashspeicher-Geschäfts verkaufen. Angebote in Höhe von bis zu 3,3 Milliarden Euro lägen demnach bereits vor.
Flash-Speicherkarten von Toshiba: Nach Angaben des Nachrichtendienstes Reuters möchte der japanische Halbleiterhersteller knapp 20% seines Flashspeicher-Geschäfts verkaufen. Angebote in Höhe von bis zu 3,3 Milliarden Euro lägen demnach bereits vor.

Der Konzern muss wegen der hohen Verluste im Atomgeschäft die Mehrheit oder eventuell gleich das ganze Geschäft mit Flash-Speicherchips, die in Smartphones, Computern und anderer Elektronik eingesetzt werden, verkaufen. Da dies eine zentrale Säule des Konzerns ist, fürchten einige Analysten, dass damit auf Dauer das Kerngeschäft des Unternehmens ausgehöhlt werden kann.

Bereits Anfang Februar hatte das Handelsblatt berichtet, dass dem japanischen Konzern mehrere entsprechende Kaufanfragen für Teile seines Flashspeicher-Geschäfts vorlagen. Die einzelnen Angebote sollen demnach zwischen 200 Milliarden und 400 Milliarden Yen (1,68 bis 3,37 Milliarden Euro) liegen. Damals hieß es, Toshiba plane etwa ein Fünftel seines Flashspeichergeschäfts abzustoßen, um die erwarteten Verluste aus dem Atomgeschäft auszugleichen. Toshiba nimmt mit seinem 3-D-BiCS-NAND-Flash eine Vorreiterrolle in der Entwicklung und Fertigung modernster Flashspeicher-Technologien ein.

Zu den Bietern um die Flashsparte zählen unter anderem der Wettbewerber SK Hynix aus Südkorea sowie die amerikanischen Konkurrenten Micron Technology und Western Digital. Auch der taiwanische Foxconn-Konzern wurde als Verhandlungspartner ins Gespräch gebracht. Auch Investmentfirmen wie Bain Capital oder Silver Lake sollen an Toshibas Angebot interessiert sein.

Toshiba hatte erst zu Jahresbeginn bekannt gegeben, im japanischen Yokkaichi eine neue Fab zur Fertigung seiner 3-D-Flashspeichertechnologie BiCS-Flash zu eröffnen. Dass nun offenbar die gesamte Flashspeichersparte zum Verkauf steht kommt überraschend, liegt aber in den hohen Verlusten aus dem Atomgeschäft in den vergangenen Jahren begründet.

Unmittelbarer Auslöser sind Verzögerungen und Kostenüberschreitungen beim Bau von zwei Atomkraftwerken in den US-Bundesstaaten Georgia und South Carolina. Zugleich haben sich in Zeiten eines verstärkten Augenmerks auf Sicherheit und niedriger Preise für fossile Brennstoffe auch die Aussichten für das Geschäft generell verschlechtert. Damit steht die akute Krise bei Toshiba exemplarisch für die Probleme der ganzen Branche.

Für das noch bis Ende März laufende Geschäftsjahr rechnet Toshiba nun mit einem Verlust von 390 Milliarden Yen (3,2 Mrd Euro) statt der zuvor erwarteten 145 Milliarden Yen Gewinn. Damit fallen die Zahlen noch deutlich schlechter aus als von Analysten zuvor erwartet.

Toshiba hatte den US-Atomkonzern Westinghouse für über fünf Milliarden Dollar gekauft und dieser hatte wiederum die Spezialbaufirma Stone & Webster übernommen, auf die sich die Abschreibungen zu großem Teil beziehen. Mit dem Einstieg in das für stabil gehaltene Atomgeschäft in den USA im Jahr 2006 wollte Toshiba die Schwankungen des Elektronik-Marktes abfedern. Der Konzern wurde aber schon von der schwächeren Nachfrage als Folge des Atomunglücks von Fukushima getroffen. Zudem gab es technische Schwierigkeiten bei einer neuen Reaktor-Generation.

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