Moderne Display-Technologien OLED-Displays: Chinas globaler Marktanteil wächst schnell

Von Henrik Bork

In der Kurve überholen: China lässt LCD links liegen und konzentriert sich gleich auf moderne (AM)OLED-Panels. Mit dieser Strategie haben chinesische Hersteller schnell Marktanteile erobert – und tun dies weiter.

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Samsung Displays dominierte den ALOED-Markt 2016 noch zu 99,9%. Mittlerweile ist dieser Wert auf 76,5% gefallen. Viele Anteile gingen nach China.
Samsung Displays dominierte den ALOED-Markt 2016 noch zu 99,9%. Mittlerweile ist dieser Wert auf 76,5% gefallen. Viele Anteile gingen nach China.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Der Weltmarkt für OLED-Displays ist fest in südkoreanischer Hand – noch: Chinesische Hersteller bauen ihren Marktanteil sehr schnell aus. Ein gutes Beispiel für diesen Trend sind die neuen AMOLED-Bildschirme: Das chinesische Unternehmen Tianma hat in Xiamen gerade die bislang größte Produktionslinie des Landes in Betrieb genommen.

Die Fabrik in der chinesischen Hafenstadt in der Ostprovinz Fujian sei mit einer Fläche von 1,26 Millionen Quadratmetern und einer Kapazität von bis 48.000 flexiblen AMOLED-Displays pro Monat die drittgrößte Fabrik dieser Art auf der Erde, schreibt die chinesische Elektronik-Zeitung Zhongguo Dianzi Bao. 48 Milliarden Yuan oder umgerechnet 6,7 Milliarden Euro hat die Firma dafür investiert.

AMOLED: Dünne und flexible Bildschirme

In der Abkürzung AMOLED steht „AM“ für „Active Matrix“. Auch bei dieser neuen Art von OLED-Bildschirmen stellt jede LED eine eigenständige Lichtquelle dar. Die Bildschirme können sehr dünn und gleichzeitig flexibel entworfen werden, was ihre Beliebtheit in Handys der gehobenen Preisklasse und in „Wearables“ wie etwa Smart Watches erklärt.

Bislang wird der Großteil aller AMOLED-Displays in Südkorea gefertigt, vor allem in den Werkhallen von Samsung Display (SDC). Doch der globale Marktanteil chinesischer Hersteller wächst auffällig schnell. 2020 stieg er erstmals auf über zehn Prozent – auf 13,2%, glaubt man den Statistiken der „Korea Display Industry Association“.

Ein Fünftel der AMOLED-Displays kamen 2021 aus China

Im vergangenen Jahr ging diese Aufholjagd weiter. Blickt man allein auf die Bildschirme von Smartphones, so erreichten chinesische Hersteller 2021 erstmals einen globalen Marktanteil von 20,2 %, ist ähnlichen Statistiken von CINNO Research zu entnehmen. Weltweit stieg der Absatz von AMOLED-Bildschirmen für Handys auf 668 Millionen Stück – 36,3% mehr als im Jahr davor.

Chinesische Display-Hersteller haben vor einigen Jahren das enorme Marktpotenzial von AMOLED-Bildschirmen vorhergesehen und haben dementsprechend in neue Produktionslinien investiert. Mindestens 20 neue OLED-Fabriken befinden sich in der Volksrepublik momentan in Bau. Nicht nur Tianma, sondern auch BOE, Visionox, CSOT, EDO, Truly, Royole haben dabei einen Teil ihrer neuen Produktionskapazität für AMOLED reserviert.

20 neue AMOLED-Fabs in China im Bau

Marktbeobachter in China gehen deshalb davon aus, dass chinesische Produzenten ihren globalen Marktanteil im laufenden Jahr erneut verdoppeln werden, schreibt das Fachmedium Zhongguo Dianzibao. Obwohl die Qualität der Produkte noch nicht ganz an die der südkoreanischen Konkurrenz heranreicht – etwa bei der Flexibilität – jagen die Chinesen ihren Nachbarn immer mehr Marktanteile bei AMOLED-Displays ab. SDC dominierte 2016 noch 99% des Weltmarktes. Bis 2020 war der Marktanteil der Samsung-Tochter bereits auf – wenn auch immer noch beachtliche – 76,5% gefallen.

Der chinesische Display-Hersteller BOE ist momentan der größte Produzent von AMOLED-Bildschirmen für Handys in China. Im vergangenen Jahr verkaufte das Unternehmen 60 Millionen der Panel, was einem Wachstum von 67,2% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Das ist insofern erstaunlich, als BOEs bester Kunde, Huawei, aufgrund von Handelssanktionen aus den USA seine Handy-Sparte hatte verkaufen müssen. BOE, das auch Apple beliefert, hat es offensichtlich geschafft, diesen Rückschlag mehr als auszugleichen.

Chinesischer BOE-Konzern beliefert auch Apple

Auch der zweitgrößte chinesische Hersteller von AMOLED-Displays, die Firma Visionox, konnte seine Produktion im vergangenen Jahr stark erweitern – hier um die Schnapszahl von 111,1%. 30 Millionen Einheiten konnte Visionox 2021 ausliefern.

Diese Zahlen belegen, dass Chinas neue Entwicklungsstrategie in der Elektronik-Industrie erste Früchte trägt. Unter dem Motto „in der Kurve überholen“ konzentrieren sich strategische Investoren und auch Investment-Fonds ganz auf neue Technologien. Man hatte dies für OLED vor Jahren beschlossen und setzt es seither konsequent um.

Anstatt den Südkoreanern also weiter bei LCD-Bildschirmen Konkurrenz zu machen, konzentriert man in China so gut wie alle finanziellen Ressourcen auf die neue OLED-Technologie. Die von einer neuen Technik erzeugte Disruption sei vergleichbar mit der engen Kurve auf einer Formel-1-Rennstrecke – eine Chance zum Überholen, so lautet die Essenz der chinesischen Strategie.

* Henrik Bork ist Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den asiatischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen in Peking.

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