Brexit-Folge Japanischer Techkonzern Softbank will ARM für 32 Milliarden US-$ schlucken

Dem britischen SoC- und Mikroprozessor-Anbieter ARM steht eine Übernahme aus Fernost bevor: Am Montagmorgen gab das japanische Unternehmen Softbank bekannt, den britischen IP-Anbieter für 24,3 Milliarden britische Pfund (etwa 32 Milliarden US-$) kaufen zu wollen.

Der japanische Telekomminaktions- und Technik-Großkonzen Softbank will den britischen Chipdesigner ARM kaufen. In der bislang größten Transaktion des Unternehmens beträgt das Übernahmeangebot derzeit umgerechnet 32 Milliarden US-$. Der japanische Konzern profitiert dabei von einem durch das Brexit-Referendum erzeugten Kurssturz des britischen Pfund.
Der japanische Telekomminaktions- und Technik-Großkonzen Softbank will den britischen Chipdesigner ARM kaufen. In der bislang größten Transaktion des Unternehmens beträgt das Übernahmeangebot derzeit umgerechnet 32 Milliarden US-$. Der japanische Konzern profitiert dabei von einem durch das Brexit-Referendum erzeugten Kurssturz des britischen Pfund.
(Bild: dpa - Bildfunk)

Prozessoren und SoCs des britischen IP-Anbieters ARM sind im Embedded-Bereich beinahe nicht mehr wegzudenken. Nicht nur in Tablets und Smartphones, sondern auch in zahlreichen IoT- und industriellen Applikationsanwendungen sind ARM-Prozessorkerne, insbesondere aus den diversen Cortex-Reihen, weit verbreitet.

„Es ging alles sehr, sehr schnell“, sagte der bisherige ARM-Chef Simon Segars dem Finanzdienst Bloomberg. „Sie machten ein Angebot, das sehr, sehr attraktiv für unsere Aktionäre war, sowie einen Vorschlag für künftige Investitionen ins Unternehmen.“

Softbank hat die Übernahmepläne am Montagmorgen bestätigt. Offenbar kommen dem japanischen Technologiekonzern die Folgen des Brexit-Referendums entgegen: Der Kurssturz des britischen Pfund auf dem Weltmarkt, der nach dem Votum zum Austritt aus der EU an den Börsen eintrat, hat sich entsprechend auf den möglichen Kaufpreis ausgewirkt. Im Vergleich zum japanischen Yen ist das Pfund rund 30% weniger wert als noch vor einem Jahr.

Zum aktuellen Portfolio von Softbank zählen unter anderem der US-Telekommunikationsanbieter Sprint, ein maßgeblicher Anteil an der chinesischen Unternehmensgruppe Alibaba sowie dem humanoiden Robot „Pepper“ des Robotik-Unternehmens Aldebaraan, eine Tochter der Softbank-Gruppe. Mit dem Angebot von 24 Milliarden Pfund (umgerechnet 32 Milliarden US-$ bzw. rund 28,7 Mrd Euro) plant Softbank demnach den größten Akquisedeal seit Bestehen des Unternehmens. Das Barangebot besteht aus 17 Pfund pro ARM-Aktie, ein Aufschlag von etwa 43 Prozent auf den Schlusskurs aus der vergangenen Woche. Seit Bekanntgabe der Übernahmepläne zog der Aktienkurs von ARM allerdings um etwa 40% an und steht derzeit bei 16,99 Pfund.

ARM kündigte jüngst neue Prozessoren-Entwürfe unter anderem für kleine vernetzte Technik im sogenannten Internet der Dinge an. Das könnte für Softbank besonders interessant sein: Telekom-Firmen weltweit versuchen, sich als Dienstleister für vernetzte Geräte aller Art neu zu erfinden.

„Dies ist eine der wichtigsten Akquisen, die wir je durchgeführt haben, und ich gehe davon aus, dass ARM eine tragende Stütze von Softbanks künftiger Wachstumsstrategie sein wird,“ sagte Masayoshi Son, Gründer von Softbank, angesichts der Übernahmepläne. Sons Milliardenübernahme dürfte viele überraschen: Der Konzern verkaufte in den vergangenen Monaten Anteile etwa am chinesischen Amazon-Konkurrenten Alibaba und nahm damit umgerechnet mehr als 17 Milliarden Euro ein. Experten gingen davon aus, dass Son mit dem Geld Schulden tilgt oder den Aktienkurs von Softbank mit Hilfe eines Rückkaufs von Anteilsscheinen auf die Sprünge hilft. Der Konzern hatte im Jahr 2013 die Mehrheit am US-Mobilfunker Sprint für 22 Milliarden Dollar übernommen. Der Schuldenberg lastet noch heute auf den Japanern.

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