Booz & Company Studie Flächendeckende LTE-Infrastruktur in Deutschland bis 2015

Redakteur: Holger Heller

In fünf Jahren soll mobiles Breitband-Internet für 80% der deutschen Bevölkerung verfügbar sein. Das LTE-Umsatzvolumen in Deutschland beträgt laut Booz & Company ca. 5 bis 6 Milliarden Euro.

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Deutsche Mobilfunkbetreiber starten aktuell mit ersten Diensten und Angeboten auf der Grundlage der LTE-Technik. Dieser Start markiert den Beginn einer neuen Phase der Telekommunikation: Das Mobilfunknetz der vierten Generation wird bereits 2015 ca. 80% der Bevölkerung mobilen Internetzugang mit Bandbreiten von bis zu 100 MBit/s zur Verfügung stellen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Strategieberatung Booz & Company.

Dies ermögliche eine Vielzahl neuer Anwendungen und eine Digitalisierung verschiedenster Lebensbereiche: Von Telearbeit und Cloud Computing über eHealth-Anwendungen bis zu hochauflösendem Mobile TV und -Gaming. Insgesamt 4,38 Mrd. € haben die Mobilfunknetzbetreiber bereits in die Ersteigerung der Frequenzen investiert. Weitere Ausgaben in Höhe von 3 bis 4 Mrd. € werden in den nächsten vier Jahren für den flächendeckenden Basisaufbau des LTE-Netzes nötig sein.

Anders als bei heutigen Datendiensten werden die Tarifmodelle komplexer werden und stärker nach unterschiedlichen Geschwindigkeiten, Bandbreiten und wahrscheinlich auch Inhalten differenzieren. Mit den neuen LTE-Tarifen, die die heute vorherrschenden Flatrate-Tarife langfristig substituieren werden, können die Netzbetreiber bereits 2015 ein Umsatzvolumen von 5 bis 6 Mrd. € im deutschen Raum erlösen.

Staatliche Auflagen zur Digitalen Dividende treiben LTE voran

Bereits heute sind in Deutschland einige hundert LTE-Sendestationen in Betrieb, bis zum Frühjahr werden es 4000 bis 5000 Stationen sein. Die Mobilfunknetzbetreiber beschleunigen aktuell den LTE-Rollout in den ländlichen Regionen, um bis Ende 2011 gemäß Regulierungsauflage die weißen Flecken der Breitbandversorgung in Deutschland zu schließen. Die Versorgung der ländlichen Regionen ist Voraussetzung für den weiteren LTE-Netzausbau in Ballungszentren unter Verwendung des Spektrums der digitalen Dividende.

Nach dem aktuellen Breitband-Monitor der Bundesregierung landet das deutsche Breitbandnetz im internationalen Vergleich allerdings nur auf Platz 7. "Die staatlichen Auflagen zur digitalen Dividende werden jedoch dazu führen, dass mobiles Breitband bis Ende 2011 auch in ländliche Regionen vordringen wird", so Dr. Roman Friedrich, Partner und Telekommunikationsexperte bei Booz & Company. Erst mit zweiter Priorität wird das Gros der Bevölkerung in den dichter besiedelten Gebieten angebunden.

Hatten die Mobilfunknetzbetreiber bei der Einführung von UMTS noch die Bedeutung einer kostengünstigen Verfügbarkeit geeigneter Endgeräte unterschätzt, arbeiten sie heute dagegen sehr eng mit den Herstellern von Endgeräten und zugehörigen Chipsets zusammen. "LTE wird nach unserer Analyse deutlich schneller Traktion im Markt erhalten als dies bei UMTS der Fall war", sagt Friedrich.

LTE erfordert neue Tarifmodelle

Dabei konzentriert sich die Entwicklung passender Endgeräte zunächst auf Produkte und Tarife zur Nutzung mit Computern. Erste Versionen von Computer-Sticks stehen bereits heute kommerziell zur Verfügung. Im kommenden Jahr werden erste Smartphones mit LTE-fähigen Chips ausgerüstet sein - anfangs im Hochpreissegment und spätestens 2014 im Massenmarkt.

"Wir sehen mittelfristig eine grundlegende Veränderung von Tarifmodellen. Flatrates werden an Bedeutung verlieren und eine verstärkte preisliche Staffelung von Tarifen steht zu erwarten", so Friedrich. Diese wird zum einen am Datenvolumen ansetzen, so wie es bei Festnetztarifen bereits heute üblich ist, aber sehr wahrscheinlich auch unterschiedliche Service Level umfassen.

Grundlage für die Tarifstaffelung ist die Fähigkeit der Netzbetreiber, die Inhalte im LTE-Netz zu differenzieren und zu priorisieren. Das zielt insbesondere auf Geschäftskunden, die bereit sein sollten, unterschiedliche Service Level je nach Dienst zu bezahlen.

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