Rekord-Infektionen legen Chinas Metropolen lahm China unter Druck: Corona ohne Ende

Quelle: dpa

Wegen der hohen Fallzahlen bekommen immer mehr Chinesen die strikten Pandemie-Maßnahmen zu spüren. Die Unzufriedenheit wächst. Arbeiter des Apple-Zulieferers Foxconn liefern sich Scharmützel mit Sicherheitskräften. Doch Peking will an seiner Null-Corona-Politik festhalten. Eine Sackgasse?

Menschenleer: Kein Verkehr, wo sich sonst Autos Stoßstange an Stoßstange über die breiten Stadt-Highways quälen – Chinas harte Lockdowns haben von Corona betroffene Metropolregionen in Geisterstädte verwandelt. Ein Ende der Null-Covid-Politik ist nicht in Sicht, doch immer mehr chinesische Bürger begehren dagegen auf.
Menschenleer: Kein Verkehr, wo sich sonst Autos Stoßstange an Stoßstange über die breiten Stadt-Highways quälen – Chinas harte Lockdowns haben von Corona betroffene Metropolregionen in Geisterstädte verwandelt. Ein Ende der Null-Covid-Politik ist nicht in Sicht, doch immer mehr chinesische Bürger begehren dagegen auf.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Eine Rekordwelle neuer Corona-Infektionen führt in China zu immer größeren Einschränkungen für die Bevölkerung. Die Hauptstadt Peking erinnert an eine Geisterstadt, in anderen Landesteilen befinden sich Millionen Menschen komplett im Lockdown. Und das im Jahr drei der Pandemie – während viele andere Länder längst die meisten Corona-Maßnahmen aufgehoben haben.

Die Pekinger Gesundheitskommission meldete am Donnerstag landesweit 31.444 neue Infektionen. Damit sind die Fallzahlen im internationalen Vergleich nicht außergewöhnlich hoch. Für China sind es jedoch die meisten Corona-Fälle seit den frühen Chaos-Tagen der Pandemie, als das Virus vor knapp drei Jahren in der zentralchinesischen Metropole Wuhan ausbrach. Für den zuletzt rasanten Anstieg der Zahlen werden die leichter übertragbaren Omikron-Varianten verantwortlich gemacht.

Steigende Infektionszahlen, mehr Einschränkungen

Einhergehend mit den seit Wochen steigenden Infektionszahlen ist es in vielen Metropolen zuletzt zu immer mehr Einschränkungen des Alltags gekommen. Während der Rest der Welt mit dem Virus leben will, verfolgt China weiter eine strikte Null-Covid-Strategie mit Lockdowns, täglichen Massentests, strenger Kontrolle, Kontaktverfolgung und Zwangsquarantäne. Zwar hatte die Regierung vor kurzem einige Corona-Regeln angepasst und unter anderem die Dauer der Quarantäne bei Einreise nach China von zehn auf acht Tage verkürzt.

Doch kann von einer nachhaltigen Lockerung keine Rede sein.

In fast allen Großstädten wurden zuletzt neue Maßnahmen verhängt, Peking erinnert an eine Geisterstadt: Schulen, Kindergärten und Geschäfte sind geschlossen. Menschen wurden aufgefordert, sich möglichst nicht in der Öffentlichkeit aufzuhalten. Zunehmend werden Wohnanlagen auch komplett abgeriegelt. Von „Untergangsstimmung“ spricht ein Pekinger.

Millionen-Metropolen gleichen Geisterstädten

Im südchinesischen Guangzhou mit etwa 18 Millionen Einwohnern befinden sich mehrere Bezirke der Stadt komplett im Lockdown. Die Metropole Shanghai kündigte derweil an, dass Reisende, die in die Stadt kommen, für fünf Tage nicht in Restaurants oder Geschäfte dürfen. Die Mega-Metropole Chongqing lässt ihre rund 30 Millionen Einwohner nur noch in dringenden Fällen und mit einem negativen Corona-Test ausreisen. Es entwickelt sich ein Flickenteppich – die Corona-Lage im Land wirkt zunehmend unübersichtlich.

China befinde sich in einer Sackgasse, urteilen Beobachter. Die Pekinger Gesundheitskommission rechtfertigt das Festhalten an den strikten Maßnahmen weiterhin damit, dass eine Öffnung des Landes viele Tote zur Folge haben würde. Auch Ärzte warnen, dass das Gesundheitssystem hoffnungslos überlastet würde, falls sich das Virus frei im Land verbreiten könnte. Doch in der Bevölkerung wächst der Ärger. „Hört auf zu testen und baut Krankenhäuser“, schreibt ein Nutzer im Nachrichtendienst Wechat. Als „Fass ohne Boden“ beschreibt ein anderer Nutzer die Lage.

Regierung steht vermehrt in der Kritik: Mehr Lockdowns, mehr Proteste

Die Regierung steht in der Kritik, weil deutlich wird, dass die Behörden in den letzten drei Jahren die meisten Kapazitäten für ständige Massentests und Lockdowns genutzt haben. Vorbereitungen für einen Weg aus der Pandemie wurden nur unzureichend getroffen. Die Impfquote für die gesamte Bevölkerung liegt bei rund 90 Prozent, doch gibt es ausgerechnet bei den Alten erhebliche Impflücken. Nur 40 Prozent der Über-80-Jährigen haben bisher zwei Impfungen und einen Booster erhalten.

Peking kündigte zwar mit seinem jüngsten Maßnahmen-Paket an, die Impfkampagne vorantreiben zu wollen. Auch soll ein Vorrat von Anti-Corona-Medikamenten angelegt und zusätzliche Fieber-Kliniken zur Behandlung von Patienten entstehen. Doch von heute auf morgen lässt sich das eben nicht alles umsetzen.

Zusammenstöße im weltgrößten Werk für Apple-iPhones

Zunehmend drückt sich die Unzufriedenheit der Menschen auch in Protesten aus. Rund um die größte Produktionsstätte der Welt für Apple-iPhones ist es wegen der strengen Corona-Maßnahmen in China laut Berichten in sozialen Medien zu Protesten und Ausschreitungen gekommen. Wie in am Mittwoch geteilten Videos zu sehen war, marschierten Hunderte Arbeiter des Apple-Zulieferers Foxconn eine Straße in der ostchinesischen Metropole Zhengzhou entlang. Zu sehen war ein Großaufgebot von Sicherheitskräften mit Schlagstöcken und Plastik-Schutzschildern, die versuchten, die Menschen zurückzudrängen. Dabei kam es zu Zusammenstößen. Zu sehen war auch, wie einige Arbeiter offenbar verletzt am Boden lagen. Die Arbeiter klagen bereits seit Wochen über schlechte Bedingungen in dem Werk. Das taiwanische Unternehmen Foxconn war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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Rund um das Foxconn-Werk in Zhengzhou, wo rund 200.000 Menschen beschäftigt sind, war es bereits vor einigen Wochen zu Unruhen gekommen. Tausende Mitarbeiter hatten aus Angst vor einer Infektion oder den strikten Maßnahmen die Flucht ergriffen. Foxconn stellte Mitarbeitern daraufhin höhere Löhne in Aussicht, wenn sie sich dafür entscheiden sollten, trotz der Einschränkungen zurückzukehren. Doch das Werk operierte weiter in einem so genannten „geschlossenen Kreislauf“. Mitarbeiter durften damit das Werksgelände nicht verlassen.

Auch in der südchinesischen Metropole Guangzhou war es vergangene Woche zu Protesten gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung gekommen. Verärgerte Wanderarbeiter rissen dort zahlreiche Barrikaden nieder. Viele haben die Flucht ergriffen. Als Reaktion auf die Proteste reagierten die Behörden keineswegs mit Lockerungen. Im Gegenteil: Seit Donnerstag steckt nun auch ganz Zhengzhou mit seinen rund 10 Millionen Einwohnern im Lockdown. (me)

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