Verzehnfachung der Produktionskapazitäten bis 2030 Analyse: Deutschland könnte Europas Batteriezellenzentrum werden

Von Michael Eckstein

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Akkus sind zentrale Komponenten für E-Autos. Wer ihre Produktion beherrscht, hat gute Karten auf dem boomenden Weltmarkt der Elektromobilität. Nun zeigt eine Analyse des Fraunhofer ISI: Deutschland ist auf gutem Wege, der Hauptstandort für die Batteriezellenproduktion in Europa zu werden.

Geplante gesamte Batteriezellenproduktionskapazität in Europa: Deutschland entwickelt sich zum Zentrum.
Geplante gesamte Batteriezellenproduktionskapazität in Europa: Deutschland entwickelt sich zum Zentrum.
(Bild: Fraunhofer ISI)

Mehrere Hersteller haben den Bau von Batteriezellenwerken in Deutschland angekündigt oder sind bereits dabei, Produktionsanlagen hochzuziehen. So hat zum Beispiel VW letzte Woche den ersten Spatenstich für seine „Gigafactory SalzGiga“ in Salzgitter gesetzt.

Nun hat das Fraunhofer ISI (Institut für System- und Innovationsforschung) ermittelt, dass bis 2030 in Europa Produktionskapazitäten von bis zu 1,5 TWh entstehen könnten. Mehr als ein Viertel davon, nämlich rund 400 GWh, könnte aus Produktionsstätten in Deutschland stammen. Für ihre im Rahmen der BMBF-geförderten Begleitmaßnahme „BEMA 2020 II II – Begleitmaßnahme zur Förderinitiative Batteriematerialien für zukünftige elektromobile, stationäre und weitere industrierelevante Anwendungen (Batterie 2020)“ erstellte Analyse haben die Experten die Pläne und Ankündigungen von mehr als 40 Unternehmen aus der ganzen Welt ausgewertet, die in Europa Batteriefabriken aufbauen wollen. Auf dieser Grundlage seien dann möglichst realistische Szenarien entwickelt worden, sagt Batterieforscher Dr. Lukas Weymann vom Fraunhofer ISI.

Nachfrage nach wiederaufladbaren Batterien wächst rasant

Sollte sich das bewahrheiten, könnte sich Deutschland nach verpenntem Start tatsächlich zum Technologieführer auf diesem wichtigen Feld mausern. Das wäre ein wichtiger Impuls für den Arbeitsmarkt: Bereits vor zwei Jahren gelangte das Fraunhofer ISI zu dem Schluss, dass in der Branche der Batterieproduktion zehntausende neue Jobs entstehen könnten.

Ohne Frage sind entscheidend Batterietechnologien für das Gelingen der Verkehrswende hin zur Elektromobilität – und spielen damit auch in der Energiewende eine zentrale Rolle. Zum Vermeiden von Treibhausgasemissionen aus dem Automobilsektor setzen Staaten weltweit ihren Fokus auf batterieelektrische Antriebe. Auch für nachhaltige Stromspeicherlösungen spielen batteriebasierte Ansätze eine wichtige Rolle. Diese Märkte wachsen schnell – und mit ihnen die Nachfrage nach Batterien. Um diese in den verschiedensten Sektoren decken zu können, ist ein schneller Aufbau von Produktionskapazitäten nötig.

Derzeit kommen die meisten Batterien aus Fernost

Die große Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien decken derzeit vor allem Hersteller aus China, Japan und Südkorea. Doch es gibt seit einigen Jahren auch in Europa zunehmende Bemühungen, große Batteriezellfabriken – oft Gigafactories genannt – entstehen zu lassen: Zum einen expandieren viele etablierte asiatische Zellhersteller nach Europa, andererseits planen eine Vielzahl neugegründeter europäischer Start-Ups umfangreiche Investitionen in die Zellherstellung oder setzen diese bereits um.

Wenn die Hersteller ihre angekündigten Zeitpläne einhalten, könnten noch im Laufe des Jahres 2022 Produktionskapazitäten von bis zu 124 GWh auf dem Kontinent erreicht werden. Bereits in den nächsten drei Jahren werden sich die Produktionskapazitäten in Europa voraussichtlich auf mehr als 500 Gigawattstunden (GWh) vervierfachen. Sollte Europa bis zum Ende des Jahrzehnts tatsächlich die 1,5 TWh-Marke knacken, würde bereits ein Viertel der global angekündigten Produktionskapazitäten in Europa entstehen.

Drei Akteure treiben maßgeblich die Entwicklung voran

Derzeit erstrecken sich die Projekte zum Aufbau von Batteriezellfabriken über mindestens 15 europäische Länder, Deutschland könnte wie erwähnt eine zentrale Rolle bei der Zellfertigung spielen. Weymann erklärt: „Dieser rasante Aufbau wird maßgeblich durch europäische Akteure wie Northvolt, VW und ACC getrieben.“ Allein diese drei Unternehmen hätten rund ein Drittel der europäischen Zellproduktionskapazitäten angekündigt. Northvolt baut neben zwei großen Zellfabriken in Schweden und hat eine Gigafactory im deutschen Heide angekündigt, dessen Bau im nächsten Jahr starten soll.

Bereits vor dieser Ankündigung plante Northvolt den Aufbau einer Fabrik mit VW in Salzgitter, die VW nun wie auch eine weitere Fabrik in der Nähe von Valencia (Spanien) selbstständig errichten wird. Die Standorte für drei weitere Zellfabriken stehen Weymann zufolge noch nicht fest, wohl aber die geplante maximale Produktionskapazität von 40 GWh, die jeder dieser fünf Fabriken im Endausbau erreichen könnte.

Auch nicht-europäische Hersteller etablieren Zellproduktion in Europa

Die europäischen Autohersteller Mecedes-Benz und Stellantis sind gemeinsam mit Saft Anteilseigner der Automotive Cells Company (ACC), die in Deutschland, Frankreich und Italien den Bau von Gigafactories angekündigt hat. ACC profitiert dabei genau wie Northvolt von der Unterstützung im Rahmen des von der Europäischen Union gestarteten Großförderprojekts „Important Project of Common European Interest (IPCEI)“.

Neben den europäischen Zellherstellern werden auch nicht-europäische Akteure wie beispielsweise CATL (China) und Tesla (USA) mit ihren geplanten deutschen Zellfabriken sowie LGES und Samsung SDI (beide aus Südkorea) mit ihren osteuropäischen Fabriken einen großen Anteil der europäischen Zellproduktion etablieren. Insgesamt haben über 40 Zellhersteller angekündigt Batteriefabriken in Europa aufzubauen.

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Mit Material von Fraunhofer ISI und dpa.

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