Dank Subventionen Analog-ICs: Chinas Hersteller blasen zur Aufholjagd

Von Henrik Bork

Im weltweiten Vergleich ist China der größte Verbraucher von analogen Chips. Doch die meisten davon stammen aus dem Ausland. Das soll sich ändern: Die heimische Produktion legt bereits deutlich zu.

Anbieter zum Thema

Große Produzenten wie Texas Instruments, ADI, ON Semiconductor, Silicon Labs oder Renesas Electronics beherrschen den globalen Markt für analoge Chips und Mixed-Signal-ICs zu fast 90 %. Doch chinesische Hersteller wachsen sehr schnell.
Große Produzenten wie Texas Instruments, ADI, ON Semiconductor, Silicon Labs oder Renesas Electronics beherrschen den globalen Markt für analoge Chips und Mixed-Signal-ICs zu fast 90 %. Doch chinesische Hersteller wachsen sehr schnell.
(Bild: Texas Instruments)

Chinas Halbleiterhersteller fokussieren sich zunehmend Analog-ICs. Fast alle führenden, an der Börse notierten Produzenten von analogen Chips in China haben im vergangenen Jahr ihre Nettoprofite verdoppelt – oder sogar vervielfacht. Während dieser Markt noch immer klar von internationalen Konzernen dominiert wird, haben die Chinesen im Zuge der Coronakrise fleißig aufgeholt.

Hangzhou Silan, einer von wenigen IDM-Halbleiterherstellern in der Volksrepublik, hat seinem jüngsten Geschäftsbericht zufolge 2021 ein phänomenales Wachstum erzielt. Seine Nettoprofite wuchsen innerhalb eines Jahres um das 20-fache, um mehr als 1,45 Milliarden Yuan (rund 200 Millionen Euro) mehr als im Jahr davor.

Konkurrent China Resources Micro erzielte erstmals einen Nettoprofit von mehr als zwei Milliarden Yuan (rund 200 Millionen Euro). Bright Power Semiconductor verdiente netto acht Mal soviel wie im Vorjahr. Sunmoon Microelectronics steigerte seinen Nettoverdienst um den Faktor 5. Und das ist nur eine Auswahl.

Nachfrage durch Coronakrise vervielfacht

„Unter den 12 führenden, börsennotierten Herstellern von analogen Chips haben 9 im Jahr 2021 ihre Nettoprofite im Jahresvergleich verdoppelt,“ berichtet das chinesische Halbleiter-Portal Bandaoti Hangye Guancha. Ein Grund ist die gestiegene Nachfrage nach Handys, Laptops und Tablets im Zuge der Coronakrise.

„Die ‚home economy‘ hat den Bedarf der Leute nach Verbraucherelektronik stimuliert,” schreibt das chinesische Fachmagazin. Und auch der Boom der E-Mobilität in China macht analoge Chips gefragter denn je. Die Trends Elektrifizierung und „Smart Cars” haben den Anteil der automobilen Chips am Weltmarkt für analoge Halbleiter auf 24% ansteigen lassen, den zweit größten hinter Verbraucherelektronik (36,5%). Und in China werden mehr als die Hälfte aller analogen Chips verkauft und verbaut.

Noch dominieren nichtchinesische Produzenten deutlich

Das Wachstum der chinesischen Hersteller muss im Kontext gesehen werden. Noch immer dominieren große ausländische Produzenten wie Texas Instruments, ADI, ON Semiconductor, Silicon Labs oder Renesas Electronics den globalen Markt für analoge Chips zu fast 90%. Führende chinesische Hersteller wie SG Micro haben selbst im heimischen, chinesischen Markt für analoge Chips noch sehr bescheidene Marktanteile (in diesem Fall 0,8%).

Dennoch lässt sich das Wachstum chinesischer Unternehmen in diesem Segment nur noch mit dem Wort „raketenhaft“ angemessen beschreiben. Die starke politische Unterstützung der Branche seitens der kommunistischen Partei- und Staatsführung in Peking seit Beginn der Handels- und Technologie-Konflikte mit Washington beschleunigt es nun noch weiter. Während ausländische Konzerne Probleme haben, ihre Bestellungen analoger Halbleiter in den Zeiten des globalen Chipmangels zu erfüllen, springen immer häufiger chinesische Produzenten in die Bresche.

Wachstumschancen durch Lieferschwierigkeiten

Die wachsende Nachfrage in nachgeordneten Industrien – dazu gehört neben der Consumer-Elektronik und dem Automobilsektor in China auch der extrem schnelle Ausbau der 5G-Kommunikation – verbindet sich mit den Lieferschwierigkeiten der ausländischen Platzhirsche und dem gestiegenen Interesse von Investoren zu einer einzigartigen Wachstumschance für chinesische Hersteller von analogen Chips.

Die nutzen sie gerade. Das neue Jahr ist gerade erst etwas mehr als einen Monat alt, doch es verspricht ein Rekordjahr der Börsengänge von Herstellern analoger Chips in China zu werden. Seit dem 1. Januar 2022 haben bereits sechs chinesische Produzenten einen IPO hingelegt und große Summen an Kapital eingesammelt. Fünf dieser sechs sind groß im Sektor Power-Management-Chips.

Verschiebung der Machtverhältnisse im Analog-IC-Markt wahrscheinlich

Es gehört angesichts dieser Zahlen und Fakten nicht viel dazu, eine Verschiebung der Machtverhältnisse im globalen Markt für analoge Chips vorherzusagen. Noch ist der Anteil chinesischer Produzenten selbst an ihrem heimischen Markt für analoge Chips, momentan knapp 20 Milliarden US-Dollar wert, sehr überschaubar. Doch das ändert sich gerade mit großer Geschwindigkeit.

* Henrik Bork ist Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den asiatischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen in Peking.

(ID:47987021)