Digital Art 7 elektronische Musikinstrumente der außergewöhnlichen Art

Redakteur: Peter Koller

Elektronische Musik, das ist weit mehr als Synthesizer und digitale Effektgeräte: 7 Beispiele für außergewöhnliche elektronische Instrumente.

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(Bild: Youtube/James McVay)

Musikinstrumente und Elektronik verbindet eine lange Geschichte: Angefangen bei der elektromechanischen Tonerzeugung der Hammond-Orgel (kleine Zahnrädchen drehen sich vor elektromagnetischen Tonabnehmern) in den 1930er Jahren bis hin zu den ersten nutzbaren Synthesizern in den 1960er Jahren wie etwa dem berühmten Moog. Heute ist Elektronik in Musikinstrumenten allgegenwärtig. Aber wir zeigen ihnen 7 elektronische Musikinstrumente, die alles andere als alltäglich sind.

Instrument Nr. 1: MechBass

James McVay vor seinem MechBass
James McVay vor seinem MechBass
(Victoria University of Wellington)
Bassisten sind cool. Roboter sind auch cool. Wie cool ist dann erst ein Bass-Roboter? Den hat jedenfalls James McVay konstruiert. Der Student an der School of Engineering and Computer Science der Victoria University of Wellington in Neuseeland hat rund 1000 Stunden Arbeit in das Gerät gesteckt. Es besteht im Wesenlichen aus vier Aluminium-Schienen, an denen sich Servomotoren entlang bewegen, um die Saiten entsprechend der gewünschten Tonhöhe zu verkürzen und abzudämpfen.

Ein weiterer Motor betätigt ein Rad mit montierten Plektren zum Anschlagen der Seite. Gesteuert wird das Ganze von einem Mikrocontroller ATMega328. Die Teile stammen zum Teil aus einem 3D-Drucker. Der MechBass stellt jeden menschlichen Bassisten in den Schatten. McVay: "Er kann einfach viel schneller spielen, bis zu 60 Saitenanschläge pro Sekunde." Wie sich das anhört, demonstriert das folgende Video, in dem MechBass die Nummer Mass Hysteria der Band Muse spielt. Ein Video auf Youtube zeigt den Bass in Aktion: MechBass - Hysteria

Instrument Nr. 2: Mesh Experience

(fritzfrizzante.com/#guitar)
Ein wirklich feines Stück Technik ist das Projekt Mesh Experience des Studenten Florian Friesinger von der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd. Dabei geht es nicht um die Tonerzeugung, sondern um die Visualisierung von Musik. Dabei werden die Klänge einer Gitarre von einem Roland VG-99 Gitarren-Synthesizer in Midi-Signale umgewandelt und von einem leistungsfähigen Computer mit der Graphik-Software VVVV in Echtzeit in Steuersignale für zwei Projektoren vewandelt. Sichtbar wird das Gespielte dann in einem fast lebendig anmutenden pulsierenden Ring rund um den Gitarristen. Hier ein Video der Installation.

Instrument Nr. 3: Brother Printer Orchestra

Kaum zu fassen, mit was man alles Musik machen kann. Eine ganze Armee ausrangierter Drucker, Kopierer und Faxgeräte hat der Printer-Hersteller Brother zu einem Orchester kombiniert, um damit für ein neues Drucksystem zu werben. Insgesamt 97 Altgeräte wurden reaktiviert, umgebaut, vernetzt und mit einer MIDI-Schnittstelle versehen, um so ausgerüstet auf ihren Druckköpfen, Festplatten und Papierfachdeckeln den Bob-Dylan-Klassiker "The Times they are a-changin" zu intonieren. Und ja, gedruckt wurde dabei auch. Ein alter Punkt-Matrix-Printer durfte den Text des Dylan-Songs ausgeben...

Instrument Nr. 4: Micro Epsilon Laser Theremin

Ein faszinierendes Instrument aus der Frühzeit der elektronischen Musik ist das Theremin. Beim Theremin beeinflusst die elektrische Kapazität des menschlichen Körpers, etwa der Hände, ein elektromagnetisches Feld. Auf diese Weise werden Tonhöhe und Lautstärke verändert. Quasi eine moderne Interpretation eines Theremin hat die Bremer Hochschule der Künste nun geschaffen – und zwar durch die Verwendung von Laser-Triangulationssensoren optoNCDT von Micro-Epsilon. Durch Hände oder Objekte im Laserstrahl verändert sich der erzeugte Ton. Werden Gegenstände in eine Drehvorrichtung oberhalb des Sensors eingespannt, lassen sich die Ergebnisse auch reproduzieren. Normalerweise kommen diese Sensoren zur berührungslosen Abstandsmessung in Industrieanlagen zum Einsatz.

Instrument Nr. 5: Wrist Piano

(Thinkgeek)
Wir alle haben wohl schon einmal mit den Fingern auf der Tischplatte getrommelt – vor allem in langweiligen Meetings nach der gefühlt 57. Powerpoint-Folie. Aus der schlechten Angewohnheit Kunst zu machen, ist das Ziel des japanischen Wrist Piano. Zwar erinnern die Sensoren an den Fingerkuppen arg an die Geräte zur Messung der Sauerstoffsättigung im Blut in Krankenhäusern, aber tatsächlich kann man damit Töne erzeugen. Ungetoppt ist aber vor allem die Auswahl der Klänge, die sich damit erzeugen lassen: Zur Verfügung stehen Piano, Glocken und ... Trommelwirbel ... Katze! Jeder Fingertip ein Miau...

Instrument Nr. 6: Midi Jacket

(Machina)
Kleidungsstücke mit integrierten Steuerelementen etwa für einen MP3-Player sind nichts wirklich neues. Klamotten zum Ansteuern von Synthesizern schon. Genau das realisiert das Midi Jacket. In die Jacke integriert sind vier flexible Sensoren zur Erfassung der Fingerpositionen, ein Beschleunigungssensor, ein Joystick sowie 4 Push-Buttons. Die Sensoren können individuell konfiguriert werden und via Midi-Schnittstelle einen Synthesizer oder auch eine Digital Audio Workstation steuern. Ergänz wird die Jacke, die ihre Entwickler als Plattform verstehen, von einer App, einer digitalen Bedienungsanleitung und einer Verpackung mit integriertem Lautsprecher. Hier ein Video des Midi Jacket in Aktion.

Instrument Nr. 7: Electric Flute

(Gadget Gangster)
So richtig schön wird es mit elektronischen Instrumenten aber erst, wenn man sie selbst baut, dabei Löten und Code schreiben kann. Ein schönes Beispiel dafür findet sich auf der DIY-Seite Gadget Gangster, wo eine ausführliche Anleitung erläutert, wie man aus einer billigen Plastik-Blockflöte mit wenig Aufwand einen Blascontroller für elektronische Sounds machen kann. Dazu wird die Flöte mit vier kleinen Tastern und einem Piezo-Transducer zur Erfassung der Blasstärke ausgestattet. Ein Mikrocontroller und ein paar Zeilen Code dafür besorgen den Rest. Kosten für den Umbau: Rund 50 €. Gesicht von Tochter/Sohn nach dem Umbau: Unbezahlbar!

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