Automotive-Forschung Google und TU Braunschweig bringen autonome Autos auf öffentliche Straßen
Das selbstfahrende Auto ist ein alter Traum der automobilen Menschheit: Nun sind zwei Forscherteams von Google und der TU Braunschweig ihm ein gutes Stück nähergekommen
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Sie trägt den schönen Namen Leonie: "Sie", das ist das Testfahrzeug des Forschungsprojektes Stadtpilot der TU Braunschweig, das automatisch ohne menschlichen Eingriff eine vorgegebene Strecke im regulären Verkehr fährt.
Bei Geschwindigkeiten bis 60 km/h kann das Forschungsfahrzeug „Leonie“ - ein VW Passat Variant - auf der zweispurigen Fahrbahn des Braunschweiger Stadtrings die Spur halten, Kreuzungen berücksichtigen, Hindernisse beachten sowie Abstände und Geschwindigkeiten dem fließenden Verkehr anpassen. Ein Sicherheitsfahrer, der notfalls eingreifen kann, ist dabei vorgeschrieben.

„Der Sprung von unserem ersten Fahrzeug ‚Caroline‘ zu ‚Leonie‘ ist groß“, erläutert Professor Markus Maurer. „Während ‚Caroline‘ beim Wettbewerb in einem kontrollierten Szenario gefahren ist, gilt es hier, das reale Verkehrsaufkommen zu bewältigen. ‚Leonie‘ hat es mit vielfältigen Verkehrsteilnehmern zu tun, die unterschiedlich und manchmal sogar regelwidrig fahren. Sie muss ihre Geschwindigkeit dem fließenden Verkehr anpassen. Und schließlich ist natürlich ein umfangreiches Sicherheitskonzept notwendig.“
Erste autonome Fahrt auf dem Braunschweiger Stadtring - ein Meilenstein
„‚Leonie‘ muss nicht nur die Verkehrsregeln beherrschen, sondern auch all das, was auch ein Mensch zum Autofahren braucht. Sie muss ihre Umwelt ‚sehen‘, sie muss Entscheidungen treffen und alleine Gaspedal, Bremse und Lenkrad bedienen. Die ersten autonomen Fahrten auf dem Braunschweiger Stadtring sind allein schon auf Grund der realen städtischen Umgebung ein Meilenstein und Grundlage für viele weitere Forschungsjahre“, sagt Projektleiter Jörn Marten Wille.
Ziel des Projekts „Stadtpilot“ in den nächsten Jahren ist es, den Braunschweiger Stadtring vollständig autonom umfahren zu können. Die Herausforderungen dieses Projekts liegen in der besonders komplexen Umgebung: der dichte Verkehr auf der teilweise baulich getrennten zweispurigen Straße stellt erhöhte Anforderungen an die Umfeldwahrnehmung, die engen Straßen erfordern eine präzise Spurplanung und die dichte, urbane Bebauung erschwert die exakte Positionsbestimmung.
Autonomes Google-Fahrzeug hat schon 140.000 Meilen zurückgelegt
Welches Potenzial ein selbstfahrendes Auto haben könnte, zeigt das Interesse, das der Internet-Gigant Google an dem Thema hat. Wie am Wochenende bekannt wurde, hat auch ein Google-Forscherteam ein autonomes Fahrzeug entwickelt, das bereits auf öffentlichen Straßen unterwegs ist. "Unsere autonomen Autos sind, bemannt mit menschlichen Sicherheitsfahrern, zwischen unserem Campus in Mountain View, unseren Büros in Santa Monica und dem Hollywood Boulevard unterwegs", so Sebastian Thrun, Dinstinguished Software Engineer bei Google. Alles in allem hätten die Fahrzeuge bereits 140.000 Meilen zurückgelegt.
Die Google-Autos verwenden Video-Kameras, Radar-Sensoren und Laser-Entfernungsmesser, um sich auf der Straße zu orientieren und gleichen ihre Informationen mit sehr detaillierten digitalen Straßenkarten ab. Diese umfassen sogar einzelne Straßenmarkierung oder Verkehrsschilder. Auch die Google-Forschung geht in Teilen zurück auf die DARPA Urban Challenge. Drei prominente Mitglieder des Google-Forschungsteams, Chris Umson, Mike Montemerlo und Anthony Levandowsky, haben bereits erfolgreich mit anderen Projekten an dem Wettbewerb teilgenommen.
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